Archiv für Februar 2007

Linke Kleinstgruppen (1)- Die Gruppe Arbeitermacht

Linke Kleinstgruppen über die wir schon immer mal mehr wissen wollten (1) – Die Gruppe Arbeitermacht

Um was gehts:

Die Gruppe Arbeitermacht (kurz GAM) ist die deutsche Sektion der fünften Internationalen. (Was das genau bedeutet: „die deutsche Sektion der fünften Internationalen“ zu sein ist mir noch nicht ganz klar, geht aber jede Wette darum sich gegen die erste, zweite, dritte und vierte Internationale abzugrenzen). Sie bezeichnet sich selbst als eine „internationalistische, kommunistische Organisation“. Andere würden „Trotzkisten“ dazu sagen. Publikationen hat die Gruppe gleich zwei: Die „Neue Internationale“ die monatlich erscheint und das Theorie-Organ „Revolutionärer Marxismus“ das zweimal jährlich in Buchform aufgelegt wird.

Was mir gut gefällt:

Die Gruppe vertritt eine ordentlichen klassenkämperischen Position. Mit genug Pathos vorgetragen um aktionistisch orientiertes Klientel mitzureißen aber auch zuweilen nüchtern und analytisch um eher die Grüblerfraktion zu erreichen. Gut gefällt mir auch die deutliche Abgrenzung zum „realexistierenden Sozialismus“:

Uns verbindet daher auch nichts mit den Regimen des „real existierenden Sozialismus“. In diesen Staaten beherrschte und unterdrückte eine Bürokratie die Arbeiterklasse. Mit Sozialismus und Kommunismus hatte das nichts zu tun.

Schön auch die kritische Solidarität mit den Gewerkschaften:

Wir arbeiten in den Gewerkschaften und treten dort für Klassenkampf, Sozialismus und Arbeiterdemokratie ein. Die Führung der Gewerkschaften ist eine Schicht, die in ihren Interessen und Lebensbedingungen den Mitgliedern immer ferner steht, die die Gewerkschaften an die Sozialdemokratie und den Staat bindet, statt konsequent den Klassenkampf gegen die Kapitalisten zu führen.

Was mir nicht so gut gefällt:

Die Arbeiter das ewige revolutionäre Subjekt? Liebe Leute, ein bißchen arg alte Schule oder? Da sollte noch ein weiterreichender theoretischer Rahmen gezogen werden. Die Texte auf der Arbeitermacht-Homepage unter der Rubrik „Marxistische Theorie“ zeigen leider: unter „Arbeiter“ stellt sich die GAM nichts anderes vor als eine verschwitzte aber stolze Figur im Blaumann, die ganz alleine die Revolution machen soll (und dafür womöglich von der Geschichte ausersehen ist?). Liebe GAM, haben denn die ganzen anderen Lohnabhängigen, die Arbeitslosen oder die Illegalisierten nicht auch Grund genug, endlich mit dem Kapitalismus Schluß machen zu wollen? Aber ein Abschied von den Blaumännern als Subjekt der Geschichte würde wohl unweigerlich einen Namenswechsel nach sich ziehen und das kann niemand ernsthaft wollen. „Arbeitermacht“ klingt nämlich total „retro“ und „retro“ find ich chic.

Venezuela in Flames?

Ein neues „Killer-Spiel“ sorgt für Aufregung und zwar diesmal nicht, weil es amoklaufende Kinder produzieren könnte. Viele Menschen in Venezuela rechnen (sicher nicht ganz zu unrecht) früher oder später mit einer Invasion der US-Streitkräfte. Und genau darum geht es in besagtem Video Game. Der Spieler muss das Lateinamerikanische Land erobern, um an die Ölvorräte zu kommen:

Mercenaries 2: World in Flames™ is an explosive open-world action game set in a massive, highly reactive, war-torn world. A power-hungry tyrant messes with Venezuela’s oil supply, sparking an invasion that turns the country into a warzone.

Auf wen mit der Umschreibung „power-hungry tyrant“ abgehoben wird scheint nur zu logisch. Abgeordente des Venezolanischen Parlaments kritisieren das Spiel inzwischen scharf und bezeichnen es als Teil einer Hetzkampagne gegen Venezuela:

Dass in dieser Atmosphäre ein US-amerikanisches Computerspiel, bei dem es um die Invasion Venezuelas, das von einem „Tyrannen“ regiert wird, und um einen Erdölkonzern geht, die Stimmung ausbeutet und anheizt, liegt auf der Hand – und dürfte den Spielemachern, so politisch unbedarft sie sein mögen, dennoch auch klar gewesen sein. Venezolanische Abgeordnete haben denn auch bereits kritisiert, dass das Spiel ein Propagandamittel sei, um die Amerikaner auf einen möglichen Sturz von Chavez vorzubereiten. So sagte etwa der Abgeordnete Luis Tascon, dass in der US-Medienmaschine die Gringos immer die Helden und ihre Gegner immer die Bösen seien. Die Abgeordnete Gabriela Ramírez sieht das Spiel als eine Rechtfertigung für eine Invasion und kritisiert, dass es ein falsches Bild von der Bedrohung durch Lateinamerika und von Chavez als Tyrannen gebe. Ein anderer sprach von einer „psychologischen Terrorkampagne“. (Heise)

Pikant dabei, die Videospiel-Produktionsfirma Pandemic entwickelt offensichtlich auch realistische Trainings-Spiele für die U.S Armee, mit denen die Soldaten für Kampfgefechte vorbereitet werden. Aber zur Zeit scheint der Iran ja das wahrscheinlichere nächste Kriegsziel der USA zu sein. Gut für die Menschen in Venezuela.

„Verwirrte Ausführungen über den bösen Kapitalismus“?

Die gute alte „Einheitspresse“ hat in Deutschland ja durchaus Tradition. Doch heute musste ich mich schon wundern. Alle von Springer bis links-liberal vereint gegen das Böse.

Die Ankündigung für einen Beitrag in der SWR-Sendung „Report Mainz“ hatte für Furore gesorgt. Die Online-Portale der deutschen Medienlandschaft überschlugen sich geradezu mit Kommentaren und zitierten Politikern und Gelehrte. Was war der Auslöser? Besonders findige Journalisten hatten sieben Wochen (!) nach Veröffentlichung in der Jungen Welt, eine Grußbotschaft des inhaftierten Christian Klar ausgegraben. Fix noch ein paar „Experten“ interviewt, etwas Amateur-Bildmaterial von der Rosa-Luxemburg-Konferenz besorgt und fertig war der Exklusiv-Bericht. Doch noch bevor der Beitrag am Abend ausgestrahlt wurde, versuchten sich politisches Führungspersonal und Schreiberlige darin zu übertrumpfen „den Bürgern“ zu verdeutlichen wie dumm und böse das denn alles wieder wahr, was der Terrorist da von sich gegeben hat. Hier das Beste aus den Kommentaren zur Grußbotschaft:

systemfeindliche Tonlage – Abstruse Gedanken über die Weltlage – Aufruf zum Kampf gegen unsere Grundwerte – verwirrte Ausführungen über den bösen Kapitalismus – selbstgerechten Revolutionsonanie – Gipfel der Unverschämtheit – Signale der Verbohrtheit – politisch-geistig nicht gereift – die alte Systemfeindschaft – desolater Geisteszustand – ein Spinner- altbekanntes RAF-Gewäsch – ein harmloser Theoretiker, einer unter ein paar wenigen – Blödsinn – Bekenntnis zum antiimperialistischen Kampf – Gehalten im typisch verquasten Links-Deutsch – hanebüchenes Grußwort – derselben Art ideologisierten Sprache wie vor 30 Jahren – Revolutionskauderwelsch – wie eine verwirrte Attac-Stimme – Nonsens – krude Ideologie – ein Unverbesserlicher

Die Grußbotschaft zu selber lesen gibts hier.