Linke Kleinstgruppen (1)- Die Gruppe Arbeitermacht

Linke Kleinstgruppen über die wir schon immer mal mehr wissen wollten (1) – Die Gruppe Arbeitermacht

Um was gehts:

Die Gruppe Arbeitermacht (kurz GAM) ist die deutsche Sektion der fünften Internationalen. (Was das genau bedeutet: „die deutsche Sektion der fünften Internationalen“ zu sein ist mir noch nicht ganz klar, geht aber jede Wette darum sich gegen die erste, zweite, dritte und vierte Internationale abzugrenzen). Sie bezeichnet sich selbst als eine „internationalistische, kommunistische Organisation“. Andere würden „Trotzkisten“ dazu sagen. Publikationen hat die Gruppe gleich zwei: Die „Neue Internationale“ die monatlich erscheint und das Theorie-Organ „Revolutionärer Marxismus“ das zweimal jährlich in Buchform aufgelegt wird.

Was mir gut gefällt:

Die Gruppe vertritt eine ordentlichen klassenkämperischen Position. Mit genug Pathos vorgetragen um aktionistisch orientiertes Klientel mitzureißen aber auch zuweilen nüchtern und analytisch um eher die Grüblerfraktion zu erreichen. Gut gefällt mir auch die deutliche Abgrenzung zum „realexistierenden Sozialismus“:

Uns verbindet daher auch nichts mit den Regimen des „real existierenden Sozialismus“. In diesen Staaten beherrschte und unterdrückte eine Bürokratie die Arbeiterklasse. Mit Sozialismus und Kommunismus hatte das nichts zu tun.

Schön auch die kritische Solidarität mit den Gewerkschaften:

Wir arbeiten in den Gewerkschaften und treten dort für Klassenkampf, Sozialismus und Arbeiterdemokratie ein. Die Führung der Gewerkschaften ist eine Schicht, die in ihren Interessen und Lebensbedingungen den Mitgliedern immer ferner steht, die die Gewerkschaften an die Sozialdemokratie und den Staat bindet, statt konsequent den Klassenkampf gegen die Kapitalisten zu führen.

Was mir nicht so gut gefällt:

Die Arbeiter das ewige revolutionäre Subjekt? Liebe Leute, ein bißchen arg alte Schule oder? Da sollte noch ein weiterreichender theoretischer Rahmen gezogen werden. Die Texte auf der Arbeitermacht-Homepage unter der Rubrik „Marxistische Theorie“ zeigen leider: unter „Arbeiter“ stellt sich die GAM nichts anderes vor als eine verschwitzte aber stolze Figur im Blaumann, die ganz alleine die Revolution machen soll (und dafür womöglich von der Geschichte ausersehen ist?). Liebe GAM, haben denn die ganzen anderen Lohnabhängigen, die Arbeitslosen oder die Illegalisierten nicht auch Grund genug, endlich mit dem Kapitalismus Schluß machen zu wollen? Aber ein Abschied von den Blaumännern als Subjekt der Geschichte würde wohl unweigerlich einen Namenswechsel nach sich ziehen und das kann niemand ernsthaft wollen. „Arbeitermacht“ klingt nämlich total „retro“ und „retro“ find ich chic.


1 Antwort auf “Linke Kleinstgruppen (1)- Die Gruppe Arbeitermacht”


  1. 1 Janosch Janglo 01. August 2007 um 12:04 Uhr

    Einige Bemerkungen und Richtigstellungen

    Zunächst finden wir es gut, dass sich jemand mal genauer mit den programmatischen Positionen unserer Organisation u.a. Gruppen beschäftigt. Umso erfreulicher, dass dem Autor offenbar einige unserer zentralen Positionen gut gefallen. Doch einige Bewertungen gehen leider fehl und deshalb die folgenden Kurzkommentare.

    # Die Gruppe Arbeitermacht ist nicht Teil der Fünften Internationale. Diese existiert noch nicht und muss unserer Ansicht nach aufgebaut werden, damit die internationale Arbeiterklasse, damit alle Ausgebeuteten und Unterdrückten eine internationale Kampfführung haben. Bisher gab es vier Internationalen, aber seit der politischen Degeneration und der Aufspaltung der IV. Internationale Anfang der 1950er Jahre existiert eine solche leider nicht mehr.
    Wir treten für den Aufbau der Fünften ein und nennen deshalb unsere internationale Organisation auch „Liga für die Fünfte Internationale“. Unsere Vorstellungen für den Aufbau einer solchen haben wir in zahlreichen Artikeln und Dokumenten dargelegt.

    # Entgegen Deiner Annahme sind für uns ArbeiterInnen bzw. die Arbeiterklasse eben nicht nur die lohnabhängig Beschäftigten in der Industrie „im Blaumann“, sondern auch „Kopfarbeiter“ wie z.B. viele Ingenieure. Im weiteren Sinne zählen natürlich auch Arbeitslose, Rentner usw., die aus proletarischem Milieu kommen, dazu.
    Eine genauere Darstellung des Klassenbegriffs bei Marx haben wir u.a. im Revolutionären Marxismus Nr. 28 gegeben.
    Ansonsten gehen wir nach wie vor davon aus, dass das Proletariat nicht nur existiert – und weltweit auch noch weiter wächst –, sondern zudem objektiv die einzige Klasse ist, die in der Lage ist, den Kapitalismus zu stürzen und so auch alle anderen unterdrückten und ausgebeuteten Klassen und Schichten zu befreien. Freilich ist es dazu notwendig, die entscheidenden Instrumente zu schaffen, mit denen die Arbeiterklasse dieses Ziel auch erreichen kann: eine revolutionäre Arbeiterpartei und ein revolutionäres Klassenbewusstsein, das durch diese Organisation in die Klasse und deren Kämpfe hineingetragen werden kann (vgl. u.a. Lenin: Was tun?).

    Für weitere Diskussionen stehen wir gern bereit, soweit sich dein Interesse nicht nur darauf beschränkt, revolutionäre Politik zu kommentieren sondern auch in der Praxis anzuwenden, zu überprüfen und weiter zu entwickeln.

    Mit revolutionären Grüßen

    Gruppe Arbeitermacht

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.