Archiv für März 2007

Neues vom Hitler (4): Tom Cruise will Hitler in die Luft jagen

Hitlerattentäter? Da fällt den meisten Leuten leider immer nur der deutsch-nationale Krieger Graf von Stauffenberg ein. So offensichtlich auch Hollywood-Star Tom Cruise:

Letzte Woche horchte Hollywood auf, als das Studio United Artists den historischen Anschlag auf Adolf Hitler als zweiten Filmstoff unter seinem Dach verbuchte.
Jetzt ist Tom Cruise, einer der Entscheider bei United Artists, sogar so begeistert von Bryan Singers Projekt, dass er höchstselbst einen wichtigen Part übernehmen will.
Der Film handelt vom historischen Anschlag am 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler. Der versuchte Staatsstreich galt als eine der vielversprechendsten Bemühungen des Widerstands der Deutschen gegen den Regimeführer. Voraussetzung für einen Machtwechsel wäre ein erfolgreicher Anschlag auf Hitler gewesen: Doch die Bombe, die Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Führerhauptquartier Wolfsschanze platzierte, tötete den Diktator nicht. „Operation Walküre“ war gescheitert, und über 200 Menschen, denen man eine Beteiligung an der Aktion unterstellte, wurden hingerichtet.

[Kino.de]

Mein Held ist ja bekanntlich ein anderer. Aber dessen Wirken wurde ja auch schon verfilmt.
Hätte man damals auch mehr draus machen können finde ich.

Linke Kleinstgruppen (3,3): Die Marxistische Gruppe

Was hat die Marxistische Gruppe eigentlich zur aktuellen Entwicklung in Venezuela zu sagen? Auf dem Weg zu einem gescheiten Kommunismus oder alles Käse? Letzteres natürlich:

Ja sicher, die Marxistische Gruppe gibts nicht mehr. Gerüchte besagen aber, dass die Zeitschrift GegenStandpunkt in irgendeinem engeren Verhältnis zur alten MG steht. Deshalb hab ich doch mal einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis der aktuellste Ausgabe des „dicken GegenStandpunktes“ geworfen. In der Ausgabe die morgen (am 23. März. 07) erscheint wird es auch einen Artikel zu der aktuellen Entwicklung in Lateinamerika speziell in Venezuela geben:


Linksruck‘ in Lateinamerika:
Venezuelas Aufstand im Hinterhof der USA

1. Die Kritik am unerträglichen Zustand der Nation
2. Der praktische Kampf um eine ‚nationale Erneuerung‘ im Dienst am Volk
3. Die erbitterten Feinde und die neuen Stützen des alternativen nationalen Wegs
4. Der innere Machtkampf um die ‚nationale Erneuerung‘
5. Der außenpolitische Kampf um die ‚zweite Befreiung Lateinamerikas‘

PS. zum schlechten und zum guten Ruf eines antiimperialistischen Abenteuers

Wie nicht anders zu erwarten steht der GegenStandpunkt dem propagierten Weg zum „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ deutlich kritischer gegenüber, als manche anderen Linken, was ja erstmal nichts Schlechtes heißen muss. Ohne den Artikel gelesen zu haben, hier jetzt schon mal exklusiv eine Zusammenfassung (ja, beim GegenStandpunkt geht das):

Die Prozesse in dem lateinamerikanischen Land werden von den MGlern vor allem aus dem Blickwinkel einer von den Verantwortlichen angestrebten „Nationalen Erneuerung“ gesehen. „Der unerträgliche Zustand der Nation“ wird von einem gewieften Politikern erkannt, der sich zur Wahl stellt und „dem Volk“ Besserung verspricht. Die Konkurrenz um die politische Führung will das nicht akzeptieren, schwebt ihr doch ein „alternativer nationaler Weg“ vor. Nachdem die innenpolitische Schlacht vorerst entschieden ist, macht sich das politische Führungspersonal an den außenpolitischen Kampf um die Interessen der Nation in Lateinamerika durchzusetzen. Das Ganze wird noch ausgeschmückt durch 32x „Argument“, 8x „Gegenstandpunkt“, 9x „Mittel“, 4x „Zweck“ usw. [näheres siehe hier). Worüber garantiert nix im Artikel stehen wird: Die vielfältige Bewegung „von unten“, der schrittweise Aufbau von Kooperativen und arbeiterkontrollierten Betrieben, Experimente mit alternativen Distributionswegen von Gütern usw..

Ich bin der Meinung, es wäre viel interessanter, eine konkrete Kritik an den Unzulänglichkeiten und Schwächen dieser (zumindest auf den ersten Blick) fortschrittlichen „Experimente“ zu üben, als immer wieder das Selbe zu erzählen was über jeden Staat erzählt wird (aber wer „Der Faschismus und seine demokratische Bewältigung“ gelesen hat, weiß ja ohnehin, das es selbst zwischen der Verfasstheit des NS und der BRD keine nennenswerte Unterschiede gibt). Aber das würde dann ja eine konkrete Beschäftigung mit den tatsächlichen Ereignissen in Venezuela bedürfen und das wäre wohl (zumindest von der MG) zu viel verlangt.

Neues vom Hitler (3): Hitler in Heiligendamm

Fast wäre beim G8-Gipfel in Heiligendamm auch Adolf Hitler mit von der Partie gewesen: als Ehrenbürger von Bad Doberan:

Ob der britische „Guardian“ oder der amerikanische „Boston Herald“ – plötzlich richtet die Welt den Blick auf das verschlafene Städtchen Bad Doberan. Denn auf dessen Liste der Ehrenbürger steht eine persona non grata: Adolf Hitler. Besonders pikant ist dieses Relikt aus NS-Zeiten, weil in knapp drei Monaten die Staats- und Regierungschefs der G8-Gruppe im Ortsteil Heiligendamm an der Ostsee tagen werden.

[Stern]

Doch die Verantwortlichen haben „schon“ vergangenes Jahr reagiert, und Hitler nachträglich die Ehrenbürgerwürde aberkannt. Das Treffen von „Mr. Danger“ und co. kann diesen Sommer also ohne diesen dunklen Schatten der Vergangenheit über die Bühne gehen.

Linke Kleinstgruppen (3,2): Die Marxistische Gruppe

Heute: Antideutsche Kritik an der Marxistischen Gruppe. Als Beipiel soll hier ein Flugblatt einer Marburger „Antifagruppe“ (?) an der dortigen Sektion des „Gegenstandpunktes“ dienen.

Linke Gruppen kritisieren sich gerne und häufig. Natürlich auch im malerischen Universitätsstädtchen Marburg. Dort gibt es unter anderem ein Häufchen das sich „Autonom Antifaschistische Aktion“ (aae) Marburg nennt, sich selbst als „antideutsch“ bezeichnet und Flugblätter gegen alles mögliche schreibt. Auch gegen den GegenStandpunkt Marburg. Ein Anti-MG-Flugblatt war übertitelt mit: „The very, very, very last call for course correction
Warum der Gegenstandpunkt nichts anderes als eine deutsche Kameradschaft ist.
“ Darin werden einige Argumente gegen „die MG“ angeführt, die als typisch für so genannte antideutsche Kritik an derselben gelten kann. Die zehn interessantesten will ich hier mal zusammenfassen (bzw. Sinngemäß wiedergeben):

1. Die MGler sind RentnerInnen die eifrig lauter deutsche „Argumente“ gegen den Kapitalismus
sammeln, d.h. eifrig gegen Israel und die USA hetzen.

2. Die MG muss den Juden zwanghaft unterstellen, dass sie Nazis sind um ihrer deutschen
Identität weiter fröhnen zu können.

3. MGler vertreten eine wahnhafte Meinung von der Realität.

4. Die MG ist eine leicht verstaubte Avantgarde.

5. Die MGler sind VolkskundlerInnen, die einen sekundären Antisemitismus ausleben.

6. Die MGler sind VolksgenossInnen, die behaupten das „Weltjudentum“ habe sämtliche
Regierungen fest im Griff.

7. Die MG hat kein Verständnis für das Eintreten gegen Antisemitische Hetze.

8. MGler legen das Kapital zur Seite, um die „Protokolle der Weisen von Zion“ zu lesen.

9. Die MG betreibt antisemitische Propaganda.

10. Die MG druckt immer wieder den selben Quatsch auf Papier.

Tiefgründige Thesen von ein paar eifrigen Marburger Studierenden, die heftig linksradikal unterwegs sind. Ganz nach dem Motto: Antisemit ist auch, wer lieber bei Nordsee als bei McDonalds speist. Wobei, Punkt 10 ist doch echt mal ein Argument, oder?

Neues vom Hitler (2) – Ewiggestrige jetzt auch in Taiwan

Nazis gibts in jeder Stadt… Offensichtlich auch in Taiwans Hauptstadt Taipeh:

Kurioses Phänomen in Ostasien: In Taiwan verehren immer mehr Jugendliche den deutschen Diktator Adolf Hitler. Es gebe bereits eine Studentengruppe, die rund 1000 Mitglieder zähle, sagte am Mittwoch Raphael Gazmou, ein Repräsentant des israelischen Wirtschafts- und Kulturbüros in Taipeh. Der „Hauptführer“ heiße Yue Shu Ya und sei 23 Jahre alt. Die Gruppe existiere seit 19 Monaten, die Aktivisten kommunizierten hauptsächlich über das Internet. [Focus-Online]

Schon seit einigen Jahren scheint sich die Begeisterung taiwanesischer Jugendlichen für „den Führer“auch bei der großen Politik im Land rumgesprochen zu haben. Bereits im Wahlkampf 2001 griff die regierend Partei DPP auf Bilder von Hitler zurück:

Taiwan’s ruling Democratic Progressive Party (DPP) has said a television advertisement featuring Adolf Hitler and aimed at getting young people to participate in forthcoming elections is not meant to offend Jews. […]
The advertisement opens with a 10-second clip from a Nazi propaganda film, showing Hitler raising his arms and putting his hands on his chest, before cutting to John F Kennedy’s inaugural address. It also shows Cuban leader Fidel Castro giving a rousing speech and former Taiwanese President Lee Teng-hui talking to reporters. [BBC]

Hitler in einer Reihe mit anderen Personen der Zeitgeschichte? Das war doch mal was.