Antifaschistisch Fußball kucken in Berlin! Aber bloß wo?

Fußball kucken, am besten „live“ und im Stadion. Das ist ein derber proletarischer Spaß, vor allem in den unteren Spielklassen. Roster vom Grill, ein frisch gezapftes Bier, Lieder anstimmen und bei einem Treffer für die richtige Manschaft, wie verückt auf und ab springen.

Doch wo hingehen im Fußball-Sorgenland-Berlin, wenn man als junger Linker neu in die Stadt zieht. Zu Hertha auf keinen Fall! Das weiß jedes Kind: Rechte Fans, Rassistische Schmährufe, antisemitisches Geschrei, ziemlich unangnehm das Ganze. Über den BFC Dynamo brauch man da gar nicht mehr zu verhandeln. Bleibt ja zum Beispiel noch TeBe. Problem: die haben kaum Fans und spielen unterklassig. Im Mommsenstadion wird deshalb das „proletarische Vergnügen“ leider oft zur Langeweile. Bleibt dann ja eigentlich nur noch Union: Schmuckes Stadion im Grünen, treue Fanbasis, immerhin Regionalliga und charmantes „Underdog-Image“. Doch ein solches Image bedeutet nicht automatisch, dass man sich bei den Spielen in der „Alten Försterei“ als anständiger Linker wohlfühlen muss. Das liberale Special-Interest-Blatt Jungle World weißt auf äußerst unsympathische Tendenzen inerhalb der Fan-Szene von Union hin:

Während andernorts, wie etwa bei Sachsen Leipzig, in Jena oder Babelsberg, die »Ultras« versuchen, dem chauvinistischen Erbe ihrer Vorgängergenerationen und dem Alltagsfaschismus auf den Rängen eine offenere Fankultur entgegenzusetzen, tritt das »Wuhlesyndikat«, die bei Union tonangebende Gruppierung, exakt in die reaktionären Fußstapfen der älteren Fans. »Die geilen Jungs aus der Reichshauptstadt«, wie sie sich selbst besingen, fallen vor allem bei Spielen gegen Clubs mit mi­grantischem Hintergrund oder antifaschistischen Fan­szenen gerne aus der Rolle und gelten bei der Wahl ihrer Mittel nicht als zimperlich.

Da bleibt nur zu hoffen, dass sich auch beim 1. FC Union Berlin engagierte Antifaschisten und Antifaschistinnen zusammentun und dem braunen Mob etwas entgegensetzen, so dass irgendwann dem emanzipativen proletarischen Sportvergnügen nix mehr im Wege steht.


1 Antwort auf “Antifaschistisch Fußball kucken in Berlin! Aber bloß wo?”


  1. 1 Sonance 91597 624TR ROT M 6.5 Two-Way In-Ceiling Loudspeaker Trackback am 11. März 2007 um 12:58 Uhr
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