Linke Kleinstgruppen (3,2): Die Marxistische Gruppe

Heute: Antideutsche Kritik an der Marxistischen Gruppe. Als Beipiel soll hier ein Flugblatt einer Marburger „Antifagruppe“ (?) an der dortigen Sektion des „Gegenstandpunktes“ dienen.

Linke Gruppen kritisieren sich gerne und häufig. Natürlich auch im malerischen Universitätsstädtchen Marburg. Dort gibt es unter anderem ein Häufchen das sich „Autonom Antifaschistische Aktion“ (aae) Marburg nennt, sich selbst als „antideutsch“ bezeichnet und Flugblätter gegen alles mögliche schreibt. Auch gegen den GegenStandpunkt Marburg. Ein Anti-MG-Flugblatt war übertitelt mit: „The very, very, very last call for course correction
Warum der Gegenstandpunkt nichts anderes als eine deutsche Kameradschaft ist.
“ Darin werden einige Argumente gegen „die MG“ angeführt, die als typisch für so genannte antideutsche Kritik an derselben gelten kann. Die zehn interessantesten will ich hier mal zusammenfassen (bzw. Sinngemäß wiedergeben):

1. Die MGler sind RentnerInnen die eifrig lauter deutsche „Argumente“ gegen den Kapitalismus
sammeln, d.h. eifrig gegen Israel und die USA hetzen.

2. Die MG muss den Juden zwanghaft unterstellen, dass sie Nazis sind um ihrer deutschen
Identität weiter fröhnen zu können.

3. MGler vertreten eine wahnhafte Meinung von der Realität.

4. Die MG ist eine leicht verstaubte Avantgarde.

5. Die MGler sind VolkskundlerInnen, die einen sekundären Antisemitismus ausleben.

6. Die MGler sind VolksgenossInnen, die behaupten das „Weltjudentum“ habe sämtliche
Regierungen fest im Griff.

7. Die MG hat kein Verständnis für das Eintreten gegen Antisemitische Hetze.

8. MGler legen das Kapital zur Seite, um die „Protokolle der Weisen von Zion“ zu lesen.

9. Die MG betreibt antisemitische Propaganda.

10. Die MG druckt immer wieder den selben Quatsch auf Papier.

Tiefgründige Thesen von ein paar eifrigen Marburger Studierenden, die heftig linksradikal unterwegs sind. Ganz nach dem Motto: Antisemit ist auch, wer lieber bei Nordsee als bei McDonalds speist. Wobei, Punkt 10 ist doch echt mal ein Argument, oder?


14 Antworten auf “Linke Kleinstgruppen (3,2): Die Marxistische Gruppe”


  1. 1 dorfdisco knows best 18. März 2007 um 21:12 Uhr

    Man mag von der „MG“ halten was man will. Wenn der Wahnsinn der Antideutschen im Anmarsch ist sieht man sich gezwungen den Haufen zu verteidigen.

  2. 2 tee 19. März 2007 um 0:59 Uhr

    so kann mensch es auch ausdrücken …

    (besagter text ist unter practice bei etwa 1/4 bis 1/3 zu finden)

  3. 3 elser 19. März 2007 um 11:43 Uhr

    Ich frag mich bei sowas immer, woher diese Leute (in diesem Fall die [aae]) das Selbstbewußtsein hernehmen. Die Flugblätter auf deren Seite strotzen nur so von Adorno, Marx etc. Zitaten. Angerreichert mit politischen „Analysen“ über die Situation im Nahen Osten und darüber hinaus. Verstanden wurde davon so gut wie nix, aber vorgetragen wird es wie die Offenbarung des einzig wahren Glaubens. Da ist eigentlich klar, wer (noch) viel eher als die „MG“ eine „wahnhafte Meinung von der Realität“ vertritt (3. Argument)…

  4. 4 subwave 19. März 2007 um 12:59 Uhr

    man mag ja den style der aae kritisieren und auch inhaltlich hauen die öfters mal ganz schön daneben, aber hier liegen sie nicht so weit daneben, mit ihrer kritik. zeigen sie doch sehr gut auf, dass der mg-nachfolge-quatsch, nicht anders kann, als das thema „israel-palästina“ im ns-jargon abzuhandeln. israels politik wird durchgängig mit wörtern wie „eliminieren“, „völkisches staatsprogramm“, „groß israel“ usw. bedacht, ähnlichkeiten zu (nazi)deutshland sind nicht zufall sondern methode, relikt der wurzeln des mg in der post-68er linken, deren verbindendes element u.a. der antizionismus war. davon können die mg´ler auch heute noch nicht lassen. und so erscheint ihnen, wie den deutschen bischöfen auch, gaza (oder auch westjordan) als ghetto. die juden als die neuen nazis, das sagt der subtext des flugblattes der mg-sektion von marburg.

  5. 5 justus 19. März 2007 um 14:02 Uhr

    1. Eine „MG-Sektion“ gibt es weder in Marburg noch sonstwo. Solche Hirngespinste existieren nur in der Fantasie von Deppen wie subwave und in den Berichten des VS.

    2. Schwachsinn wird auch durch Wiederholung nicht weniger bodenlos. Was es von Seiten der GS-Redaktion zum Thema Israel/Palästina zu sagen gibt ist z.B. dieser Antwort auf einen Leserbrief zum Libanon-Krieg und dieser Dokumentation einer Diskussionsveranstaltung zum gleichen Thema (incl. Auseinandersetzung mit ADs) zu entnehmen.

    3. Und weil natürlich der obligatorische sprachhygienische Anwurf auch nicht fehlen darf: Hier die Antwort.

  6. 6 subwave 19. März 2007 um 14:31 Uhr

    ja. die mg hat sich aufgelöst blablabla, weiß ich auch, umgangssprachlich bezeichnet man aber diejenigen, die sich an den schriften der alt-mg und der alten kader in neueren publikationen orientieren als „mg-*“. das ist nicht nur deppen wie mir oder dem vs vorbehalten. und auf eine diskussion über „sprachhygiene“ der redaktion gsp und der an ihren lippen hängenden werde ich mich bestimmt nicht einlassen. wäre doch verschwendete zeit.

  7. 7 Altlinker 19. März 2007 um 14:33 Uhr

    @ subwave israels politik wird durchgängig mit wörtern wie “eliminieren”, “völkisches staatsprogramm”, “groß israel” usw. bedacht, ähnlichkeiten zu (nazi)deutshland sind nicht zufall sondern methode, relikt der wurzeln des mg in der post-68er linken

    Vorab jeder Beschäftigung damit, was staatstragende (und nicht ganz staatstragende) politsche Kräfte in Israel tatsächlich umtreibt, hat subwave schon sein Verdikt bei der Hand (selbst in Fällen wie „Groß-Israel“ / Eretz Israel, was ja nun wirklich keine Wortschöpfungn der Nazis oder erst recht der MG respektive des GegenStandpunkts sind, wie selbst jeder wikipedia-Leser rauskriegen kann). So ist man dann auch schnell weg von Texten (hier kann ich die Liste von Justus auch nur zur Überprüfung empfehlen) und landet beim „subtext“, was einem argumentativen Aus sehr nahe kommt.

  8. 8 sumsi-club 19. März 2007 um 15:52 Uhr

    Das Pamphlet der aae sagt wenig über die mg und viel über die aae selbst aus. Da spricht schlicht der Hass auf jede Form der Kritik am Bestehenden, in der Möglichkeit einer anderen, humanderen Gesellschaft mitschwingt. Selbst wenn die MG noch so weit von der Veränderung der Verhältnisse entfernt sein mag, allein, dass sie es wagt das Bestehende zu kritisieren, weckt in der aae schon die Angst, jeamnd könnte das Unmögliche denken, und einen Neuanfang erwägen. Der klassische antikommunistische Hass-Reflex halt. Deshalb macht sich die aae auch nicht die Mühe, die mg-Argumente auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen – es geht nur darum, das schlimmstmögliche vorzuwerfen um die Kritik und die dahinter stehende Möglichkeit (mehr auch nicht) einer Utopie zu verdammen.

    @subwave: Bei Dir scheint auch schon vorher festzustehen, was gefälligst zu denken und zu sagen ist: Israel muss Demokratie genannt werden, seine Taten Verteidigung, seine Feinde Terroristen und Antisemiten – gleich was da unten tatsächlich abgeht. Dabei widerspricht das doch der „uneingeschränkten Solidarität“: wenn Du tatsächlich uneingeschränkt zu Israel stehst, brauchst Du doch keine Angst haben, die Fakten zu prüfen. Wenn Du dann zu dem Ergebnis kommst, Israels Politik sei in vieler hinsicht „völkisch“, die Palästinenser-Politik rassistisch und die Besatzung brutal, macht das doch keinen Unterschied für Dich. Oder ist dann auf einmal Schluss mit der Solidarität?

  9. 9 justus 19. März 2007 um 16:41 Uhr

    @ subwave

    Soso, „umgangssprachlich“ also. Dann vielleicht anders. Wenn du dich jetzt mal ganz doll anstrengst, dann sollte es sogar dir gelingen, die folgende Frage zu beantworten: Handelt es sich bei der Zeitschrift Bahamas um eine politische Organisation?

  10. 10 Anonymous 20. März 2007 um 0:26 Uhr

    P.S.

    Apropos Zeitverschwendung;

    „ich vermisse yes auch. dein beitrag hat mich immerhin zwei stunden von wichtigerem abgehalten, weil ich von yes zu anderen verschwundenen lebensmitteln übergegangen bin und mir die zeit mit recherche nach diesen vertrieben habe.“

    Was für Knalltüten

  11. 11 Vergessen 20. März 2007 um 13:39 Uhr

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  12. 12 Egal 23. April 2008 um 23:12 Uhr

    Die aae in Marburg ist weder eine Antifagruppe noch linksradikal. Sagen sie selber. Sie bezeichnen sich selbst eher als liberal oder konservativ.Das hat mit links nichts mehr zu tun.

  13. 13 Sebastian 09. Mai 2009 um 17:03 Uhr

    Ich habe gerade die 1. Kritik zur Hälfte gelesen und mich hält dieses ganze „innen“ ab weiterzulesen. Das ist wahrlich der Leserlichkeit nicht förderlich.

    „bleibt wohl dem Wahn dieser VolkskundlerInnen überlassen. Wahrscheinlich sehnen sich auch die RedakteurInnen des Gegenstandpunkt nach den baathistischen Rezepten für AbweichlerInnen und andere VerräterInnen:[…] Vergessen müssen diese ZeitgenossInnen […]“

  14. 14 Projektionsfläche 10. Mai 2009 um 12:23 Uhr

    „sind RentnerInnen die eifrig lauter deutsche „Argumente“ gegen den Kapitalismus sammeln, d.h. eifrig gegen Israel und die USA hetzen.“

    Das ist doch mal ein antideutsches Eingeständnis: Alte Leute gehören auf die Eisscholle und Kapitalismuskritik gehört verboten, weil es gegen unvermeidbar gegen USA und Israel geht.

    „muss den Juden zwanghaft unterstellen, dass sie Nazis sind um ihrer deutschen Identität weiter fröhnen zu können.“

    Weiter geht’s mit: Wer Juden kritisiert, muss Nationalist sein, es sei denn er kommt aus Israel.

    „vertreten eine wahnhafte Meinung von der Realität.“

    Wir wissen nicht, welcher Wahn zu solchen Aussagen führt, aber von irgendeinem Realitätsbezug oder Beleg ist hier nicht die Rede.

    „eine leicht verstaubte Avantgarde.“

    Noch einmal: Die sind grün hinter den Ohren und stolz drauf.

    „VolkskundlerInnen, die einen sekundären Antisemitismus ausleben.“

    Jeder, der einen Juden kritisiert, wird als Antisemit gestempelt, das ist die Eintrittskarte der ADs.

    „VolksgenossInnen, die behaupten das „Weltjudentum“ habe sämtliche Regierungen fest im Griff.“

    Dieser Satz besteht nur noch aus Lüge: Die „völkische“ Diffamierung voran, weil Kapitalismuskritik in deren Köpfen rassistisch übersetzt wird mit „Weltjudentum“, um Analysen im Falle Israels vor jeder Prüfung als antijüdisch zu zensieren.

    „kein Verständnis für das Eintreten gegen Antisemitische Hetze.“

    Rassismuskritik muss auch die Fehler der Semitenfreunde erfassen, sonst taugt er nix.

    „legen das Kapital zur Seite, um die „Protokolle der Weisen von Zion“ zu lesen.“

    Statt sich darüber zu freuen, wird es zum Vorwurf. Psychos würden sagen: den ADs kann man nichts recht machen.

    „betreibt antisemitische Propaganda.“

    Die langweiligste und durch nichts gestützte Pauschalaburteilung ALLER Kritiker.

    „druckt immer wieder den selben Quatsch auf Papier.“

    Als würde sich anderer Quatsch besser auf Papier machen!

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