Archiv für März 2007

KSK-Küntzel und co. – Aus dem Nähkästchen geplaudert

Eine Neuerscheinung auf dem Büchermarkt sorgt derzeit in der bürgerlichen Presse für viel Aufsehen. Geschrieben wurde es vom ehemaligen KSK-Kommandeur Reinhard „Hohmann“ Günzel, der einstige GSG-9-Chef Ulrich Wegener und der ehemalige Offizier der NS-Spezialeinheit „Brandenburger“, Wilhelm Walter.

Das „Werk“ heißt „Geheime Krieger – Drei deutsche Kommandoverbände im Bild“ und behandelt offensichtlich die drei deutschen Spezialeinheiten (Barndenburger, KSK und GSG9) gleichberechtigt nebeneinander. Kritik aus Politk und Presse lässt da, in Anbetracht der prominenten Autoren, natürlich nicht lange auf sich warten: GSG9 und KSK würden in dem Buch in die Tradition der NS-Einheit „Brandenburger“ gestellt. Diese Auffassung sei aber schlichtweg falsch.

Ein Unterschied zwischen dem Charakter der Eliteeinheiten der Bundesrepublik und dem der Truppe der Nazis ist nicht zu erkennen. Als gäbe es eine direkte Traditionslinie zwischen Hitlers Angriffskrieg und der Bekämpfung von Terroristen durch den Rechtsstaat. [Tagesspiegel]

Auf die Idee die ehemaligen Kommandeure dieser Einheiten einfach beim Wort zu nehmen, kommen natürlich nur die wenigsten. Küntzel und Wegener müssten ja schließlich am besten wissen, ob KSK und GSG9 nicht ein ähnlicher Haufen sind wie die Nazi-Einheit. Politiker und Medienleute dagegen, können ganz objektiv darüber gar nicht urteilen, sind die Einsätze von KSK und GSG9 (wie damals die der „Brandenburger“) doch streng geheim.

Neues vom Hitler (1) – Hitler bald kein Deutscher mehr?

Was der olle Guido Knopp kann, kann ich schon lange. Neue Geschichten vom Hitler erzählen zum Beispiel. Das interessiert die Massen nämlich, oder warum sonst setzen „Spiegel“, „Stern“ und co. immer den „Adolf aus Braunau“ aufs Titelblatt wen ihnen nix besseres einfällt?!

Bei Spiegel-Online war heute erstaunliches nachzulesen. Hitler könnte schon bald die deutsche Staatsbürgerschaft nachträglich aberkannt werden:

Fast 62 Jahre nach seinem Tod droht Adolf Hitler der Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit: Eine SPD-Politikerin aus Braunschweig will seine Einbürgerung von 1932 annullieren – als „symbolischen Schritt“.
Der „Führer“, seit bald 62 Jahren tot, soll nicht länger Deutscher sein und die Staatsbürgerschaft verlieren – „ein symbolischer Schritt“ wäre das, glaubt die niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete (Isolde Saalmann), die ihr Vorhaben auch schon dem Fraktionsvorstand vorgetragen hat. […]

Ob das eher zweifelhafte Ansinnen der Isolde S. jedoch erfolgsversprechend ist, darf hingegen bezweifelt werde:

Ob man einen Toten überhaupt ausbürgern kann, bezweifeln Juristen. „Tot ist tot“, heißt es aus dem niedersächsischen Justizministerium. „Da kann man nichts mehr wegnehmen.“ Lediglich die Ehrenbürgerschaft erkannte ihm die Stadt Braunschweig 1946 wieder ab. Deutsch blieb Hitler weiter.

Anstatt den Ruf der Stadt Braunschweig nachträglich reinzuwaschen, wäre es wohl viel sinnvoller Frau Saalmann würde sich verstärkt im Hier und Heute antifaschistisch engagieren. Hätte da sogar einen Vorschlag.

Antifaschistisch Fußball kucken in Berlin! Aber bloß wo?

Fußball kucken, am besten „live“ und im Stadion. Das ist ein derber proletarischer Spaß, vor allem in den unteren Spielklassen. Roster vom Grill, ein frisch gezapftes Bier, Lieder anstimmen und bei einem Treffer für die richtige Manschaft, wie verückt auf und ab springen.

Doch wo hingehen im Fußball-Sorgenland-Berlin, wenn man als junger Linker neu in die Stadt zieht. Zu Hertha auf keinen Fall! Das weiß jedes Kind: Rechte Fans, Rassistische Schmährufe, antisemitisches Geschrei, ziemlich unangnehm das Ganze. Über den BFC Dynamo brauch man da gar nicht mehr zu verhandeln. Bleibt ja zum Beispiel noch TeBe. Problem: die haben kaum Fans und spielen unterklassig. Im Mommsenstadion wird deshalb das „proletarische Vergnügen“ leider oft zur Langeweile. Bleibt dann ja eigentlich nur noch Union: Schmuckes Stadion im Grünen, treue Fanbasis, immerhin Regionalliga und charmantes „Underdog-Image“. Doch ein solches Image bedeutet nicht automatisch, dass man sich bei den Spielen in der „Alten Försterei“ als anständiger Linker wohlfühlen muss. Das liberale Special-Interest-Blatt Jungle World weißt auf äußerst unsympathische Tendenzen inerhalb der Fan-Szene von Union hin:

Während andernorts, wie etwa bei Sachsen Leipzig, in Jena oder Babelsberg, die »Ultras« versuchen, dem chauvinistischen Erbe ihrer Vorgängergenerationen und dem Alltagsfaschismus auf den Rängen eine offenere Fankultur entgegenzusetzen, tritt das »Wuhlesyndikat«, die bei Union tonangebende Gruppierung, exakt in die reaktionären Fußstapfen der älteren Fans. »Die geilen Jungs aus der Reichshauptstadt«, wie sie sich selbst besingen, fallen vor allem bei Spielen gegen Clubs mit mi­grantischem Hintergrund oder antifaschistischen Fan­szenen gerne aus der Rolle und gelten bei der Wahl ihrer Mittel nicht als zimperlich.

Da bleibt nur zu hoffen, dass sich auch beim 1. FC Union Berlin engagierte Antifaschisten und Antifaschistinnen zusammentun und dem braunen Mob etwas entgegensetzen, so dass irgendwann dem emanzipativen proletarischen Sportvergnügen nix mehr im Wege steht.

Linke Kleinstgruppen (3,1): Die Marxistische Gruppe

Mythenumrankt und Sagenumwoben, doch jeder hat schon mal von ihr gehört: Die Marxistische Gruppe (MG). Einer meiner heimlichen Favoriten unter den linken Gruppen in der BRD. Vor allem auch, weil sie einerseits so furchtbar klandestin agiert und anderseits immer so krass direkt durch die Mitte marschiert. Kommt wohl immer ganz drauf an, welche Seite des Gegenstandes „MG“ man betrachtet. Um dies ausgiebig tun zu können, will ich diese Rubrik auf mehrere Ausgaben auslegen, bis mir nix mehr neues einfällt. Heute beginne ich mal mit einer Gerüchtesammlung rund um den Gegenstand „MG“ (fühlt euch frei Ergänzungen beizusteuern)

Gerüchte über die MG:

- Die MG hatte mal über 10.000 Mitglieder (!)
- MGler haben alle das Kapital gelesen
- Die MG existiert nach ihrer offiziellen Auflösung im Untergrund weiter
- Alle Mitgleider der MG sind Zyniker
- MGler mögen Antideutsche nicht
- MGler finden Unis doof aber studieren trotzdem
- Die MG ist eine Sekte wie Scientology
- Es gibt auch MG-Frauen
- MG-Frauen sind nicht zwangsläufig Antifeministinnen
- MGler finden Antifaschismus doof
- MGler erkennt man nach dem ersten Satz
- MGler tragen niemals Basecaps
- MGler haben den Humor alter Männer
- MGler dürfen nur mit MGlern zusammen wohnen
- Alle MGler haben einen bayrischen Akzent
- Das häufigst benutzte Wort eines MGlers ist: Argument
- MGler finden Anarchisten niedlich
- Man kann nicht alle MGler über einen Kamm scheren
- MGler bleiben immer sachlich
- MGler sind linker als der Staat erlaubt
- MGler sind Klugscheißer
- MGler sind besser als ihr Ruf
- Es gibt durchaus gutaussehende MGler (und auch MG-Frauen)
- MGler trinken Unmengen an Bier
- Niemand hat Marx verstanden außer die MG
- Die MG will einen gescheiten Kommunismus
- Mgler finden, das Kapital ist auch nur ein Buch
- MGler sind keinesfalls „Zecken“
- MGler können an Israel nichts besonderes finden
- MGler haben einen beschränkten Wortschatz
- Der Verfassungschutz hatte die MG unterwandert, deshalb die Auflösung
- MGler gehen niemals auf Demos
- Gegenstandpunkt ist keine Nachfolgeorganisation der MG sondern nur eine Zeitschrift
- Heute lesen MGler keinen Hegel mehr
- MGler machen alle mächtig Karriere
- MGler werden geschult

Linke Kleinstgruppen (2) – B.A.N.G.

Heute möchte ich eine weitere illustre linke Politgruppe vorstellen: B.A.N.G.

Um was es geht:

B.A.N.G. , eigentlich „Berliner Anti-Nato-Gruppe“ (hab ich aber noch nie jemanden voll aussprechen hören) ist, wie der Name schon verrät, in Berlin Zuhause. Über die Gruppengröße, Aktionen etc. schweigt sich die Gruppe auf ihrer „Homepage“ aus und öffentlich spekulieren will ich darüber natürlich auch nicht. Doch wer B.A.N.G. schon einmal erlebt hat weiß, warum ich sie hier unbedingt vorstellen möchte. Eine regelmäßige Publikation gibt die Gruppe nicht heraus, aber an ihrem theoretischen Anspruch darf man sie auch nicht messen. B.A.N.G. scheint viel eher aktionistisch orientiert und das muss ja nicht unbedingt schlecht sein. Nur klugscheißern bringt ja auch keinen Kommunismus.

Was mir gut gefällt:

Für jüngere Linke wie mich ist die Gruppe B.A.N.G. immens wichtig. So haben also „die Autonomen“ in den 80er Jahren ausgesehen (wurde mir auf jeden Fall versichert)?! Armeestiefel, Wursthaare und co., so richtig Geschichtsunterricht zum Anfassen. Durch B.A.N.G. wird so manche Demo zu dem was die bürgerlichen Spießer so richtig ärgert: langhaarige Chaoten die ungewaschen aussehen, in Schwarz gekleidet sind und mit Sicherheit wahrscheinlich arbeitslos sind , die revolutionäre Parolen brüllen und auf ihre Transparente gemalt haben. Das ist noch „linker Lifestyle“ der sich vom „Mainstream“ abhebt, nicht so wie die normierten Marken-Antifas. Wenn das mal nicht ein Argument ist.

Was mir weniger gut gefällt:

Mitglieder von B.A.N.G. trinken Bier bei Politaktionen (hab ich gesehen, Leugnen zwecklos). Das ist natürlich doof, weil es den klaren Blick trübt. Ansonsten würde mancher wahrscheinlich alles was oben bei den Argumenten pro B.A.N.G. steht gegen sie anbringen. Doch ich find sie halt voll retro und deswegen gut und hoffe, das sie dieses Jahr zur „Walpurgisnacht“ wieder was auf die Beine stellen.