Ein Abend mit TOP in Kreuzberg – symptomatisch für ein Dilemma der Linken?

Eigentlich wollte ich ja nur auf die Kommentare zum letzten Beitrag antworten, jetzt ist das Ganze aber ganz schön lang geworden und ich habe mich entschlossen einen neuen Beitrag draus zu machen, weil ich das für übersichtlicher halte:

In gewisser Weise war die TOP-Veranstaltung in Kreuzberg symptomatisch für ein Dilemma in dem die Linke in Deutschland meiner Meinung nach im Moment steckt. Auf der einen Seite gibt es eine ganze Reihe Theoretiker wie Heinrich, Rakowitz, Stützle usw. die sich an Marx abarbeiten. Das ist gut und richtig finde ich. Das Problem was ich damit habe: es geht dabei immer „nur“ um den Kapitalismus in seinem ideellen Durchschnitt. Was (noch) fehlt, ist den Bogen zu kriegen zu den „Themen der Bewegungslinken“ (bikepunk 089). Auf der anderen Seite ist dann eben diese Bewegungslinke mit ihren „Theoretikern“ zu denen ich den Uli Brand zählen würde. Die arbeiten sich ausschließlich an bestimmten Ausprägungen des „Kapitalismus 2007″ ab (prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Zwangsumzüge, G8-Gipfel usw.) ohne eine genaue Vorstellung vom „großen Ganzen“ zu haben.
Das Dilemma das ich sehe: Bei den einen taugt die Theorie nicht für eine politische Praxis und bei den anderen muss die Praxis zwangsläufig ins Lehre laufen, weil das theoretische Verständnis vom Gesamtzusammenhang fehlt. Das beide Seiten nur schwer zusammenfinden, obwohl sie das gleiche Ziel haben, hat man eben an besagten Abend in Kreuzberg gesehen.
Fast tragisch, wie die Veranstaltung für mich endete: Ich war schon an der Tür und wollte gehen, als praktisch im Nachhall noch ein MGler „seine Platte auflegte“. Zum Eindruck des Dilemmas gesellte sich dann zu allem Überfluss noch, der faulige Geruch modriger Ideen…


2 Antworten auf “Ein Abend mit TOP in Kreuzberg – symptomatisch für ein Dilemma der Linken?”


  1. 1 Schatten.kontrastieren 28. April 2007 um 17:12 Uhr

    Wegen Zeitknappheit kurz:

    1.)zum Kommentar im vorherigen Beitrag: das Brandt Marx nicht gelesen hat nehm ich mal als Rumgepöbel und nicht als ernsthafte Aussage.

    2.)Stützle ist zumindest bei FelS (siehe aktuelle arranca bzw. fantomas), also versucht zumindest eine Verbindung zu seiner Marx-Exegese (siehe auch 3.).

    3.)Stützle und Brandt beziehen sich theoretisch auf aktuellere marxistische Theorien (Regulationstheorie, Nicos Poulantzas, Bob Jessop), das ist meiner Ansicht nach ein brauchbarer Schritt aus dem Dilemma bundesdeutscher Marxologie.

    So weit erstmal.

  2. 2 Kosher 29. April 2007 um 13:22 Uhr

    1. Was ist denn „Praxis“ bitte für Dich? Erläutere das mal
    2. Was ist denn „Theorie“ für dich? Erläutere das mal.
    3. Und dann erläutere mal, wie man beides richtig verbindet.
    4. Warum muss man Authoritäten aufzählen (wie sie fast alle da oben, bis auf Nadja, gemacht haben)? Bringt das irgendwie eine richtigere Kritik?
    5. Warum sollte der Uli Brandt für die Restlinke stehen? Der ist doch eine Minderheitsfraktion innerhalb der Linken mit seinem theoretischen Ansatz. Die Masse in der BRD und weltweit sind immer noch klassische MLer. Da sind Buko und Co n Pups gegen. Nicht, dass das bedeutet, dass man sie nicht kritisieren muss. Aber du tust ja gerade so, als sei der Rest eine homogene Masse.
    4. Warum hat die MG ihre „Platte“ aufgelegt, wenn sie
    a) im ersten Beitrag mal eben den Zusammenhang von Staat und Kapital erklärt hat (was da oben auf dem Podium anscheinend alle für unwichtig hielten) bzw. die Diskussion wieder auf den DiskussionsPUNKT zurückbrachte und
    b) den blöden Maßstab, den Uli da aufmachte, am Ende in einem zweiten Beitrag kritisierte, nämlich den Glauben, positiv Staat machen zu können, indem man den Staat zu etwas bewegt und sich seiner Nutzen macht und das dann wie im Falle einzelner Lateinamerikanischer Staaten zu loben (das ist nämlich die praktische Konsequenz aus seinem Denken)?

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