Archiv für November 2007

Hugo Chavez wird persönlich

Emotional und persönlich sollte man in politischen Diskussionen nie werden. Es kommt ja schließlich auf die Macht der Argumente an, oder? Trotz alledem finde ich Chavez Monolog schrecklich lustig…

Gentrifizierung im Wartestand in Berlin Neukölln?

Wer nur ein Jahr weg war aus Berlin-Neukölln und wieder zurück in den „Reuter-Kiez“ gezogen ist, der wird jetzt eine Vorstellung davon haben, wie schnell sich eine schleichende „Gentrifizierung“ eines Stadtteils bemerkbar machen kann. Denn in Neukölns Weserstraße (die Straße an die auch die berühmt berüchtigte Rütli-Schule angrenzt) eröffneten in diesem Zeitraum fast ein Dutzend Kneipen, die sie explizit auf ein Künstler-Studi-Klientel eingerichtet sind. Auch die ersten Kunst-Mode-Lädchen gibt es inzwischen und die ersten klassischen Eckkneipen schließen und asiatische Restaurants beziehen schnurstracks die Ladenlokale. Mit der „Kneipen-Kultur“ verändert sich im Moment der Mietspiegel und zwar mit ähnlichem Nachdruck.
Im aktuellen „Mieter-Echo“ der Berliner Mieter Gemeinschaft findet sich ein ausführlicher Artikel des Stadt-Soziologen André Holm mit dem Titel „Endstation Neukölln oder Neuer Trendkiez?“zu der Thematik. Sein Fazit:

Zusammenfassend kann die Situation in Nord-Neukölln vielleicht als eine Gentrifizierung im Wartestand bezeichnet werden. Sowohl ökonomisch, als auch sozial und hinsichtlich des Nachbarschaftscharakters können Anzeichen einer Aufwertung beobachtet werden.

Ob sich eine tatsächliche Gentrifizierung mit ihren Verdrängungseffekten durchsetzen wird, ist vor allem davon abhängig, ob es in Zukunft gelingt, die sozialen und kulturellen Veränderungen in der Nachbarschaft von der wohnungswirtschaftlich gewünschten Aufwer-tung zu entkoppeln. Denn letztlich entscheiden die Mietpreise für Wohnungen und Gewerberäume, ob sich die bisherigen Bewohnergruppen im Gebiet werden halten können.

Noch ein paar interessante links zum Kiez:
Kreuzkoelln (blog zum“Reuter-Kiez“)
SilverFuture (mehr als eine gute neue Kneipe im Kiez)
Suspekt (eine (hoffentlich) gute neue Kneipe im Kiez, die es allerdings noch gar nicht gibt)
Kartographie Reuterkiez (Interaktiver Kiez-Plan)

Antideutsche Theorieansätze zusammgefasst

Ich habe mir mal die letzten Monate Mühe gemacht alle (!) antideutschen Theorieansätze der vergangenen 15 Jahre zusammenzutragen, zu ordnen und komprimiert hier vor zu stellen! Voilà:

Herausgekommen ist eine vielschichtige und kritische Interpretation des Weltgefüges Die auch noch witzig ist…

Silvio Meier Video-Interview von 1992 aufgetaucht

Gefunden beim Umbruch Bildarchiv:

Am 21. November 2007 jährt sich zum fünfzehnten Mal der Todestag von Silvio Meier. Silvio lebte als Hausbesetzer in Friedrichshain und wurde 1992 von Neonazis erstochen. Im U-Bahnhof Samariterstraße in Berlin-Friedrichshain trafen er und zwei Freunde auf eine Gruppe von rechtsextremen Jugendlichen. Einer von ihnen trug einen „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“-Aufnäher. Als Silvio und seine Freunde ihn zur Rede stellten und aufforderten, den Aufnäher abzunehmen, zogen die Nazis Messer und stachen auf die Antifas ein. Der 27-jährige Antifaschist wurde durch mehrere Stiche getötet, zwei seiner Begleiter schwer verletzt. Seitdem findet in Friedrichshain jedes Jahr eine antifaschistische Demonstration zur Erinnerung an Silvio statt. Die diesjährige Demo beginnt am Sa, den 24.11.2007 um 16 Uhr am U-Bhf. Samariterstraße mit einer Gedenkkundgebung.

Von der Familie Silvios erhielten wir jetzt 15 Jahre altes Videomaterial, in dem Silvio im Sommer 1992 einem dänischen Filmteam ein Interview gab. Ein Teil der Aufnahmen war nicht mehr zu retten, dennoch fanden wir es schön, seine Stimme zu hören und ihn zu sehen. Es ist nur ein kleiner Teil aus Silvios Leben, gerne hätten wir mehr erfahren…

Dem gibts nichts hinzuzufügen. Außer: Morgen zur Demo gehen!

Schrecklicher Verdacht: Hitler war religiös!

Neues vom Hitler (10). Der Hitler ist auch immer noch für eine schnelle Mark gut. Deshalb gibt es ja auch jedes Jahr aufs neue Bücher, Fernsehfilme, Zeitschriften-Cover, Filme, Songs etc. über den alten Knaben. In der NZZ wir jetzt eine Neuerscheinung angepriesen:
Thomas Schirrmacher: Hitlers Kriegsreligion. Die Verankerung der Weltanschauung Hitlers in seiner religiösen Begrifflichkeit und seinem Gottesbild
Zu haben ist die zweibändige Ausgabe für schlappe Euro 99. Um was gehts dabei:

Hitler, ein frommer Mann? Da schaudert es manchen Gottesfürchtigen, doch genau das ist die These Thomas Schirrmachers, eines reformierten Theologen, der dem evangelikalen Christentum nahesteht. Er hat Tausende von Aussagen Hitlers zum Thema Religion dokumentiert und sieht deren Kern in einer sozialdarwinistischen Frömmigkeit, in der ein «Herrgott» oder die «Vorsehung» oder ein «Allmächtiger» den Starken helfe und die Schwachen untergehen lasse. Diese Deutung klingt banal, aber angesichts überdehnter religionshistorischer Theorien (wie etwa Eric Voegelins Interpretation des Nationalsozialismus als Gnosis) oder abstruser Vorstellungen (Hitler als Eingeweihter okkulter völkischer Zirkel) stellt der Autor unser Wissen über Hitlers Glauben auf eine solide Basis.

Das der Autor nicht der Einzige ist, der sich mit Hitlers Religion beschäftigt klingt in dem Artikel schon an. Einen kleinen Überblick über andere Deutungen findet ihr hier.
Die spannendsten Titel (die bei Amazon im Moment zu haben sind):

1. Hitler, Buddha, Krishna
2. Hitlers Gott
3. Herrn Hitlers Religion
4. Hitler Came for Niemoeller: The Nazi War Against Religion
5. Der Glaube des Adolf Hitler. Anatomie einer politischen Religiosität