Konsum – das richtige Mittel für gesellschaftliche Veränderung?

Immer wieder gerate ich in eine hinein: eine Diskussion über Konsum als potentielles Mittel der gesellschaftlichen Veränderung.

Fragen werden in den Raum gestellt wie: Wäre die Welt nicht ein besserer Ort, wenn alle fairtrade kaufen würden? Schmeckt Bio nicht auch viel besser als der konventionelle Kram? Brauchen wir das alles denn wirklich? Sollte man nicht lieber auf ein paar andere Dinge verzichten um lieber den guten Käse zu kaufen usw.? Alles ohne Zweifel berechtigte Fragen, die korrekt und eindeutig zu beantorten aber recht schwer fällt. Denn: Häufig sind bei der Konsumkritik verschiedene Dinge vermischt, unterschiedliche Ebenen nicht erkannt und Argumente nicht klar von einander abgegrenzt.
Mein Ratschlag für solche Diskussionen ist deshalb: Sich erstens gemeinsam darüber klar werden über was man eigentlich sprechen will. Über die bestehende kapitalistische Gesellschaft oder über eine nachkapitalistische Idealwelt. Zweitens, gemeinsam die verwendeten Begriffe klären. Was ist mit fairtrade, bio oder gutem Essen eigentlich gemeint. Drittens, Argumentationsstränge konsequent zu Ende denken: Was würde den wohl passieren wenn alle nur noch fairtrade kaufen würden? Und als vierter und wichtigster Punkt, sich die Frage zu stellen ob gewisse Annahmen in der Realität überhaupt eine Chance auf Umsetzung haben. Also: Ist es überhaupt denkbar das alle Menschen nur noch fairtrade kaufen? Wo könnten die Hindernisse dafür liegen? usw.

Mein Fazit lautet übrigens, dass ich im bewußten Konsum kein geeignetes Mittel sehe um eine grundsätzliche Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse herbeizuführen. Ich sehe aber durchaus das Potential, dadurch eine graduelle Verbesserung der Lebensqualität einiger Menschen zu erreichen. Was die „Macht der Konsumenten“ unter dem Strich leider zu einer unbefriedigenden Geschichte macht.

Als Lektüre kann ich folgende Texte empfehlen (Weitere Textempfehlungen willkommen!):
Kritik der Konsumkritik (jimmy boyle, Berlin)
Konsumismus (wikipedia-Artikel)
konsumblog
Dr. Franz Hochstrasser (Konsumismus-Forscher (!))


3 Antworten auf “Konsum – das richtige Mittel für gesellschaftliche Veränderung?”


  1. 1 elser 10. November 2007 um 20:52 Uhr

    Sorry garrincha, ich habe ausversehen deinen zweiten Kommentar gelöscht. Kannst du das Ganze bitte nochmal posten ?

  2. 2 garrincha 10. November 2007 um 21:02 Uhr

    Kein Text, sondern Aufzeichnung: Konsum und Kapital
    Teil 1: Konsum für Produktion
    Teil 2: Konsum als beschränkendes und beschränktes Mittel des Kapitalkreislaufs
    Teil 3: Der Konsum als Produkt der Konkurrenz des Kapitals um die Zahlungskraft
    Teil 4 + 5 : Konsumkritik – Diskussion

  1. 1 Bürgerliche Rebellion: Konsumkritik // Schorsch’s online Journal Pingback am 11. November 2007 um 19:44 Uhr
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