Der GegenStandpunkt und die Antifa

„Neues“ vom GegenStandpunkt: Antifaschisten sind automatisch Demokraten-Versteher! Wird zumindest im Beitrag „Vom Fehler einer linken Orientierung Namens ANTIFA“ (findet ihr unter „audio“/August ’07) bei radioX behauptet.

Wer antifaschistisches Engagement zeigt macht sich laut GegenStandpunkt also gleichzeitig für eine andere Herrschaftsform stark: Die Demokratie. Zwar wird betont den Faschismus selbstverständlich auch „aus guten Gründen“ abzulehnen und Faschisten gar zu „hassen“. Dies sei aber selbstverständlich, ganz anders als bei anderen ANTIFaschisten (also Menschen die den Faschismus ablehnen) nicht als Indiz dafür zu werten, dass man Fan von anderen Herrschaftsformen sei. Wenn jedoch Antifaschisten (die keine Symphatisanten des GegenStandpunktes sind) das Wort gegen NPD und co. erheben seien diese automatisch Verteidiger von bürgerlichem Staat und „dem ganzen Zeugs“. Seltsame Logik und kein gutes „Argument“ finde ich…
Ich habe mir den Sendungs-Mitschnitt zugegebenermaßen nicht bis zu Ende angehört, bin aber sicher die Argumente die noch gefolgt wären von anderen Vorträgen, Texten etc. zu kennen. Was vertritt also der Gegenstandpunkt noch gegenüber dem Antifaschismus? Ein weiteres Argument geht so: Antifa ist Zeitverschwendung, weil a) die Nazis (anders als in der Weimaer-Zeit) nicht kurz vor der Machtergreifung stünden und weil b) der VS diese Aufgabe viel wirksamer erfüllen könne. Dieses Argument lehrt uns zweierlei: Die Redaktion des GegenStandpunkts kann a) in die Zukunft schauen und insbesondere die Entwicklung und Stärke der Neonazistrukturen Jahre im Vorraus überblicken (hätten es sie nur doch schon 1923 gegeben, der Hitler wäre uns wohl erspart geblieben). Und b) Totgeprügelte Ausländer und Linke, Angriffe auf linke Strukturen etc. sind als Kollateralschäden zu begreifen. Wens zu sehr stört, der kann ja wegziehen.

Ganz nebenbei, dass „Argument“ wenn man gegen das eine (in diesem Fall „Faschismus“) sei, sei man automatisch auch für das andere, bestehende (in diesem Fall „demokratische Herrschaft“) ist das älteste und meist-strapazierte „Argument“ welches aus dieser Ecke gebetsmühlenartig vorgebracht wird. Es wird allerdings auch durch ständige Wiederholung nicht richtiger.

Elser bleibt auf jeden Fall ANTIFA!


8 Antworten auf “Der GegenStandpunkt und die Antifa”


  1. 1 Neoprene 21. November 2007 um 12:22 Uhr

    zu „Totgeprügelte Ausländer und Linke, Angriffe auf linke Strukturen etc. sind als Kollateralschäden zu begreifen.“

    Was hälst du eigentlich jemandem entgegen, der deinen Satz so formuliert:
    „Totgeprügelte Ausländer und Linke, Angriffe auf linke Strukturen etc. sind als Kollateralschäden *der Demokratie* zu begreifen.“

    Du wirst ja nicht bestreiten wollen, daß die auch in dieser Hinsicht ne Menge mehr auf dem Kerbholz hat als die Naziaktivisten. Das hat doch neulich der freidemokratische Bürgermeister von Müggeln so schön auf den Punkt gebracht.

  2. 2 elser 21. November 2007 um 15:21 Uhr

    @ Neoprene

    Das ist es dann wieder das eine Argument: Wer das eine kritisiert, affirmiert automatisch den status quo. Man kann doch aber gegen Faschismus sein und trotzdem Staat und Kapital kritisieren. Das beides zusammen nicht gehen könne ist eine haltlose Untestellung von GSP und co. Sie selber widerlegen diese falsche These ja ständig, wenn sie beteuern „aus guten Gründen“ den Faschismus abzulehnen.

  3. 3 Entdinglichung 22. November 2007 um 20:52 Uhr

    derartiges bestätigt mal wieder die Erfahrung, dass MG/GSP überall dort ins Schwimmen kommen, wo sie sich eine Position nicht direkt durch Nachschlagen im Kapital (Bd.1) bilden können

  4. 4 Neoprene 22. November 2007 um 22:25 Uhr

    Ich kenne nun zwar mittlwerweile die MG/GSP-Sachen halbwegs, Marx dafür so gut wie gar nicht, aber wer auch nur in ein paar Publikationen von beiden reingeschaut hat, wird zumindest feststellen müssen, daß die GSPler genauso felsenhart auf der Richtigkeit ihrer Argumente bestehen, wenn offensichtlich Marx noch nichts dazu geschrieben hat oder auch nur schreiben konnte, wie meinetwegen bei einer Kapitalschulung. Zudem sie ja noch nicht mal orthodoxe Marx-Fans sind, und besonders mit Engels schon manches Hühnchen gerupft haben.

    Und im übrigen wäre selbst solch eine Feststellung erstmal recht inhaltsleer: Willst du schon den Marxismus verdammen, willst du uns sagen, daß der uns dessen Adepten zu „Heute“ nichts mehr zu sagen hätten, weil der Typ ja bekanntlich schon lange tot ist, oder was war eigentlich deine Kritik (an Marx. der alten MG oder den neuen GSPlern)?

  5. 5 Entdinglichung 22. November 2007 um 23:14 Uhr

    die Kritik war an die MG/GSP gerichtet … deren Marx(ismus)rezeption sich im wesentlichen auf den Bd.1 des Kapitals beschränkt … dass sowohl Bd.1 wie auch vieles weitere, was Marx und nachfolgende MarxistInnen geschrieben haben nach wie vor hochaktuell ist, ist eine andere Sache

  6. 6 Neoprene 27. November 2007 um 11:04 Uhr

    zur Behauptung
    „die MG/GSP gerichtet … deren Marx(ismus)rezeption sich im wesentlichen auf den Bd.1 des Kapitals beschränkt“
    Erstens scheint mir das rein faktisch nicht zu stimmen, ihre aktuellen Vorträge und Ausführungen zur aktuellen Finanzkrise nehmen die nun wirklich nicht nur aus Band 1 des Kapitals und zweitens würde ich dann schon gern wissen, was die „Beschränkung“ sein soll, wenn eine Kritik des Kapitals sich auf die Erkenntnisse über den Kapitalismus stützt, die schon im Kapital, praktisch schon ganz am anfang im ersten Kapitel gemacht werden?

  7. 7 Blogomat 05. Februar 2008 um 13:43 Uhr

    Also irgendwie hast du dir den Radiobeitrag nicht richtig angehört.

    Es kommt halt sehr darauf an, WIE man Faschisten kritisiert und mit wem man sich dabei „Lichterkettenmäßig“ in ein Boot setzt. Auch Beck und Merkel mögen keine Faschisten, trotzdem suche ich mir die nicht gerade als Kampfgenossen aus. Der Fehler der Antifas ist eben, den Faschismus für das „Schlimmste“ zu halten und eine „echte“ Demoktratie als gelungene Antithese zu feiern.

    Man hat es doch im Moment beim weltweiten Ausbeuten und Menschen umbringen gar nicht mit Faschisten als Gegnern zu tun, sondern mit Kapitalismus und Demokratie.

    Was du über die vermeintlichen theoretischen Hintergründe des GSP (nur 1. Band etc.) schwafelst, entbehrt erstens jeder sachlichen Grundlage und zeigt zweitens, dass du weder von Marx noch vom GSP die geringste Ahnung hast.

  1. 1 MPunkt Trackback am 26. November 2007 um 3:54 Uhr
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