Archiv für Dezember 2007

Tragen coole Kids doch manchmal Palitücher?

Das Antideutsche Pamphlet gegen das Palituch ist vielleicht einer der meist gelesenen „linken“ Texte der vergangenen Jahre. Was eigentlich viel über den erbärmlichen Zustand der publizistischen Linken in der BRD sagt. Neulich bin ich über einen Text von Gerhard Hanloser gestoßen, der den daran angelehnten Titel trägt: „Warum coole Kids doch manchmal Palitücher tragen. Zur Verteidigung eines Kleidungsstückes.“ Da ich das von Hanloser herausgegebene Buch: „Sie warn die Antideutschesten der deutschen Linken. Zu Geschichte, Kritik und Zukunft antideutscher Politik“ ganz lesenswert fand, habe ich mit einigem Interesse den Text über das Palituch gelesen und: wurde ziemlich enttäuscht. Der Text ist erstens ziemlich kurz und arm an Argumenten. Er erinnert eher an ein Gedicht, als an eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Gegenstand. Schade eigentlich, denn dichten sollte man dann doch den „Antideutschen“ überlassen.

Trotz aller Kritik ein ziemlich treffendes Zitat aus Hanlosers Pamphlet:

Was trägt der und die Antideutsche? Man mag es nicht glauben, aber mit der US-Fahne bedruckte Kleidungsstücke finden sich tatsächlich neben ca ira-Büchern als Devotionalien in dieser Szene. Dabei ist es nur ein Treppenwitz, dass diesem Abfeiern der US-Kulturindustrie gerade die beiden Autoritäten der Antideutschen absolut kein Verständnis hätten entgegenbringen können. In Adorno und Horkheimers beißende Kritik des Spätkapitalismus mischte sich nicht selten das großbürgerliche Ressentiment. So verzweifelten die Frankfurter Exilanten in Los Angeles angesichts der amerikanischen Kulturindustrie, die antideutsche Adorno-Liebhaber am Anfang des 21.Jahrhunderts für sich entdeckt haben.

Gegen Imperialismus und Krieg: MG-Demo ’81

Linke Kleinstgruppen (3,4): Die Marxistische Gruppe.
Jüngst ist die Diskussion über einen älteren blog-Beitrag von mir wieder neu entflammt: Die Gerüchtesammlung über die Marxistische Gruppe. Übrigens der Beitrag der schon davor mit Abstand am häufigsten gegoogelt wurde. In der Diskussion wurde dann von einem „älteren Linken“ das Gerücht widerlegt, MGler gingen nicht auf Demos. Grund genug für mich ein bißchen zu recherchieren und tatsächlich gab es wohl MG-Demos gegen Imperialismus und Krieg.

Gut 7.000 Teilnehmer waren dem Aufruf der MARXISTISCHEN GRUPPE zu einer Demonstration „GEGEN BRD-IMPERIALIS‘MUS UND NATO-WELTHERRSCHAFT“ gefolgt. Im Gegensatz zur Hofberichterstattung der freien deutschen Presse vermochte diese Demonstration in der hausgemachten BRD-Friedenspolitik nichts Begrüßenswertes zu entdecken: „DEUTSCHE FRIEDENSPOLlTiK: HETZT GEN OSTEN, PLANT DEN KRIEG!“ Und im Unterschied zu manchen kritischen Stimmen bezüglich des Bonner Hochrüstungskurses wollte sie auch die verantwortlichen Macher aus dem Kanzler- und Auswärtigen Amt nicht mit einer billigen Phrase entschuldigen, sie könnten leider nichts anderes, als Reagan gegen ihren ausdrücklichen Willen beschlossen hat. Es steht schlimmer: „WAS HITLER NICHT GESCHAFFT, MACHT DER SCHMIDT MIT NATO-KRAFT!“ [gegenstandpunkt.com]

Schon interessant das heute zu lesen, wenn man weiß wie sich heute der GSP über die dummen Leute aufregt, die gegen imperialistische Kriege auf die Straße gehen.
Wie sah eine damalige MG-Demo aus, fragt sich der geschichtlich Interessierte?

„Die ‚Roten‘ waren vertreten durch die „Marxistische Gruppe Dortmund“, etwas mehr als 5000 Anhänger des revolutionären Kommunismus aus mehreren deutschen Universitätsstädten: Ordnung und Disziplin, fest eingeplante Schweigeminuten, korrekte 6er Reihen von suggestiver Wirkung unter roten Transparenten, die der Größe nach abgestuft von den Kadern getragen wurden. Die kleine Armee aus „professionellen Proletariern“ skandierte Parolen mit handfester Kritik.“ [Le Figaro (Paris)]

Gruselig: Jüdisches Mädchen interviewed Neonazi

Irgendwie Gruselig dieser Video-clip (und in der BRD in dieser Form sicher unvorstellbar):

A young Jewish girl named Julian asks a white separatist and skinhead about his beliefs and whether he is a Nazi. He responds by saying yes and that he believes in white power.This clip was taken from the ABC News special Prejudice:Answering Children’s Questions, and hosted by the late anchorman and news presenter Peter Jennings.