Linke Kleinstgruppen (3,3): Die Marxistische Gruppe

Was hat die Marxistische Gruppe eigentlich zur aktuellen Entwicklung in Venezuela zu sagen? Auf dem Weg zu einem gescheiten Kommunismus oder alles Käse? Letzteres natürlich:

Ja sicher, die Marxistische Gruppe gibts nicht mehr. Gerüchte besagen aber, dass die Zeitschrift GegenStandpunkt in irgendeinem engeren Verhältnis zur alten MG steht. Deshalb hab ich doch mal einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis der aktuellste Ausgabe des „dicken GegenStandpunktes“ geworfen. In der Ausgabe die morgen (am 23. März. 07) erscheint wird es auch einen Artikel zu der aktuellen Entwicklung in Lateinamerika speziell in Venezuela geben:


Linksruck‘ in Lateinamerika:
Venezuelas Aufstand im Hinterhof der USA

1. Die Kritik am unerträglichen Zustand der Nation
2. Der praktische Kampf um eine ‚nationale Erneuerung‘ im Dienst am Volk
3. Die erbitterten Feinde und die neuen Stützen des alternativen nationalen Wegs
4. Der innere Machtkampf um die ‚nationale Erneuerung‘
5. Der außenpolitische Kampf um die ‚zweite Befreiung Lateinamerikas‘

PS. zum schlechten und zum guten Ruf eines antiimperialistischen Abenteuers

Wie nicht anders zu erwarten steht der GegenStandpunkt dem propagierten Weg zum „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ deutlich kritischer gegenüber, als manche anderen Linken, was ja erstmal nichts Schlechtes heißen muss. Ohne den Artikel gelesen zu haben, hier jetzt schon mal exklusiv eine Zusammenfassung (ja, beim GegenStandpunkt geht das):

Die Prozesse in dem lateinamerikanischen Land werden von den MGlern vor allem aus dem Blickwinkel einer von den Verantwortlichen angestrebten „Nationalen Erneuerung“ gesehen. „Der unerträgliche Zustand der Nation“ wird von einem gewieften Politikern erkannt, der sich zur Wahl stellt und „dem Volk“ Besserung verspricht. Die Konkurrenz um die politische Führung will das nicht akzeptieren, schwebt ihr doch ein „alternativer nationaler Weg“ vor. Nachdem die innenpolitische Schlacht vorerst entschieden ist, macht sich das politische Führungspersonal an den außenpolitischen Kampf um die Interessen der Nation in Lateinamerika durchzusetzen. Das Ganze wird noch ausgeschmückt durch 32x „Argument“, 8x „Gegenstandpunkt“, 9x „Mittel“, 4x „Zweck“ usw. [näheres siehe hier). Worüber garantiert nix im Artikel stehen wird: Die vielfältige Bewegung „von unten“, der schrittweise Aufbau von Kooperativen und arbeiterkontrollierten Betrieben, Experimente mit alternativen Distributionswegen von Gütern usw..

Ich bin der Meinung, es wäre viel interessanter, eine konkrete Kritik an den Unzulänglichkeiten und Schwächen dieser (zumindest auf den ersten Blick) fortschrittlichen „Experimente“ zu üben, als immer wieder das Selbe zu erzählen was über jeden Staat erzählt wird (aber wer „Der Faschismus und seine demokratische Bewältigung“ gelesen hat, weiß ja ohnehin, das es selbst zwischen der Verfasstheit des NS und der BRD keine nennenswerte Unterschiede gibt). Aber das würde dann ja eine konkrete Beschäftigung mit den tatsächlichen Ereignissen in Venezuela bedürfen und das wäre wohl (zumindest von der MG) zu viel verlangt.


10 Antworten auf “Linke Kleinstgruppen (3,3): Die Marxistische Gruppe”


  1. 1 Altlinker 22. März 2007 um 14:28 Uhr

    Ein bißchen mehr kann man auch jetzt schon über den Standpunkt des GegenStandpunkts zu Chávez herauskriegen. Das folgende sind Zitate aus der Abschrift des Münchener Jour fix vom 05.02.07 (http://gegenstandpunkt.com/jourfixe/prt/jfix.htm):

    Was Chávez vorfindet – und mit der Umwidmung des Geldes nicht ändert – ist der Ausschluss der Massen vom Reichtum. Dennoch lassen sich auf der Basis des fertigen Ausschlusses mit Geld wunderbare Wohltaten vollbringen. So was wie ein Moment von Sozialstaat und Versorgung installieren, das ist das einzig Senkrechte, das sich in diesem Land mit dem verdienten Ölgeld offenbar anstellen lässt. Zugleich charakterisiert das leider die trostlose Lage eines solchen Landes.

    Er glaubt eine Selbstversorgung des Volkes hinzukriegen. Diese „Gunst“ der Teilhabe des Volkes am nationalen Ölreichtum ist aber zugleich die „Schranke“ des Volks- und Ertüchtigungsprogramms. Dem Volk die Erwirtschaftung einer Subsistenz zu ermöglichen, ist gegenüber dem, wie der Kapitalismus das Land zugerichtet hat, der große Fortschritt, der offenbar den Massen einleuchtet, weshalb sie ihm als Volksbewegung gegen die alten Machthaber mit deren Killertruppen den Rücken stärken.

    Was mit „Schranke“ gemeint ist, ist hiesigen Bewunderern von Chávez, die in den Vorgängen in Vene-zuela eine Chance für den Sozialismus sehen, entgegen zu halten. Denn keiner dieser Bewunderer würde mit den von Chávez Beglückten tauschen wollen. Das Ärgerliche einer solchen Sichtweise ist, als Insasse einer imperialistischen Machernation die Abhilfe von den Opfern zu erwarten.

    Es ist nicht unsere Diagnose, weder dass der Mann scheitert, noch dass er Fehler macht, sondern wir stellen die beiden Seiten seines Programms fest, dass er den Reichtum, den sein Land in der kapitalis-tischen Welt erwerben kann, dem Volk zugänglich machen will. Wir wollen damit auch keine Progno-se abgeben, wie gut das ausgeht; fest steht nur, mit seinem Programm hat er etwas Neues angestoßen. Die Hinweise auf Fehler und sein notwendiges Scheitern, die in der Journaille zu lesen sind, gehören zum öffentlichen Kampfprogramm gegen ihn. Mittlerweile ist er auf die Idee gekommen, sich mit Castro zu verbrüdern und Nachbarn wie Ecuador, gleich Gesinnte zu fördern. Und in dieser „bolivarianischen sozialistischen Revolution“ steckt die Idee, man müsste in Südamerika die Grenzen überwinden, weil man gemeinsam viel stärker sei als allein. Sein Programm zu kennzeichnen, liegt auf einer anderen Ebene als sich zu überlegen, mit wem er sich anlegt und welche Machtmittel er auf sei-ner Seite hat.

  2. 2 garrincha 22. März 2007 um 14:49 Uhr

    Das Skript einer Radio-Sendung zum Thema ist mittlerweile auch verfügbar.

  3. 3 bikepunk 089 22. März 2007 um 15:39 Uhr

    Sehr lesenswert ist in diesem Zusammenhang ein Artikel in der aktuellen iz3w, über ein Thema über das der GSP wahrscheinlich kein Silbe verloren hat – Die Situation von Frauen, und die möglichkeiten für feministische Politik.
    Die Autorinnen ziehen das nüchterne Fazit, dass konkrete Verbesserungen nur von unten durchgesetzt wurden und werden. Wie genau das Verhältnis Frauenbewegung – Staat dort ist wird in dem Artikel genauer ausgebreitet – lesen!
    (p.s. die iz3w ist eine super Zeitschrift, aber grade klamm. abonieren!)

  4. 4 tee 22. März 2007 um 16:16 Uhr

    wer nur auf anerkennung aus ist, hat’s ja auch nicht verdient erwähnt zu werden!

  5. 5 Lathandir 22. März 2007 um 19:31 Uhr

    Du hast eine seltsame Zusammensetzung bei Deinem Blogroll.

  6. 6 tee 22. März 2007 um 21:56 Uhr

    ja toll, sogar der wirrkopf mit den 2 (zwei!) n ist dabei!

  7. 7 Das geprüfte Argument 23. März 2007 um 10:20 Uhr

    Die vielfältige Bewegung “von unten”, der schrittweise Aufbau von Kooperativen und arbeiterkontrollierten Betrieben, Experimente mit alternativen Distributionswegen von Gütern usw..

    Ich bin der Meinung, es wäre viel interessanter, eine konkrete Kritik an den Unzulänglichkeiten und Schwächen dieser (zumindest auf den ersten Blick) fortschrittlichen “Experimente” zu üben, als immer wieder das Selbe zu erzählen was über jeden Staat erzählt wird

    Die „vielfältige Bewegung von unten“ zu kritisieren, das kann man schon tun, nur ist es halt überflüssig, aus zwei Gründen:

    1. weil diese Leute nicht Subjekt des Staats-Programms sind, sondern wenn, dann nur Objekt von der Regierung Chavez. Insofern erfährt man über das politische Programm Venezueals erst einmal gar nichts, geschweige denn über die hier ja recht wichtige Reaktion des Westens. Überdies hinaus finde ich es bei Objekten einer Herrschaft relativ müßig, zu klären, wie die ihre Armut nun organisieren. Daran ist übrigens noch gar nichts „fortschrittlich“ oder „reaktionär“. Die wurschteln sich unter der Rechtsordnung von Chavez halt durch und schauen, wie sie zurecht kommen.

    2. weil zumindest die progressiven Leute dort zumindest teilweise ja Fans von Chavez sind und dessen Zwecke teilen. Insofern würde die gleiche Kritik gelten, wie beim Chavez selbst.

    @ Bikepunk:

    Na und? Wenn man sich den polit-ökonomischen Gegenstand Venezuela vornimmt, dann ist der Maßstab „Feminismus“ oder „Frau“ da auch sachfremd. Bloß weil Du als Linker an alles und jeden Gegenstand prüfst, wie deine Lieblingsopfergruppen (Schwule, Juden, Frauen, Schwarze usw. usf.) da herumkommen, müssen dieses Vorurteilsdenken ja nicht alle mitmachen.

    @ elser again:

    Es ist wie beim Bikepunk auch bei Dir eine mangelhafte Kritik, wenn man jemandem sagt, was er nicht machen würde. Das kann Dir der Kritisierte auch sagen: Ja, Du kümmerst Dich ja gar nicht um das Staatsprogramm von Chavez! So kommt man nicht weiter, dann musst Du schon sagen, warum man „die vielfältige Bewegung“ von unten kritisieren soll, um etwas über Venezuelas politisches Programm zu erfahren.

  8. 8 elser 23. März 2007 um 13:17 Uhr

    @ argument

    Das interessante an dem was gerade in Venezuela abläuft ist doch gerade, dass diese Zweiteilung Subjekt(Staat)/Objekt(das Staatsvolk) an bestimmten Punkten unterlaufen wird.
    Nämlich a)wenn die Leute ihre Geschicke in die eigene Hand nehmen und sagen wir einigen uns untereinander wie und was wir produzieren möchten um unsere eigenen Bedürfnisse am Besten befriedigen zu können.
    Und b) Wenn überlegt wird, wie kann man ohne Markt und staatliche Lenkung Güter da hin bringen wo sie gebraucht werden etc.. Und da denke ich schon das es sich lohnt das mal genauer anzuschauen, wie die sich organisieren, was die Schwierigkeiten sind, ob es tatsächlich nur um Armutsverwaltung geht usw.. Das einfach wegzuwischen und die altbekannte Platte aufzulegen dient nicht gerade dem Erkenntnisgewinn.

    @ Lathandir

    Hallo? Freerk Huisken, HaGalil und labournet an der selben Stelle verlinkt. Wenn DAS nicht mal eine „seltsame Zusammenstellung ist.

  9. 9 Lathandir 23. März 2007 um 14:31 Uhr

    Hehe, ertappt….

  1. 1 MONSTERS OF GÖTTINGEN :: Mi. 13.06.: Peter Decker kritisiert die G8-Proteste Pingback am 11. Juni 2007 um 9:06 Uhr
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