Archiv der Kategorie 'Linke Kleinstgruppen'

Gegen Imperialismus und Krieg: MG-Demo ’81

Linke Kleinstgruppen (3,4): Die Marxistische Gruppe.
Jüngst ist die Diskussion über einen älteren blog-Beitrag von mir wieder neu entflammt: Die Gerüchtesammlung über die Marxistische Gruppe. Übrigens der Beitrag der schon davor mit Abstand am häufigsten gegoogelt wurde. In der Diskussion wurde dann von einem „älteren Linken“ das Gerücht widerlegt, MGler gingen nicht auf Demos. Grund genug für mich ein bißchen zu recherchieren und tatsächlich gab es wohl MG-Demos gegen Imperialismus und Krieg.

Gut 7.000 Teilnehmer waren dem Aufruf der MARXISTISCHEN GRUPPE zu einer Demonstration „GEGEN BRD-IMPERIALIS‘MUS UND NATO-WELTHERRSCHAFT“ gefolgt. Im Gegensatz zur Hofberichterstattung der freien deutschen Presse vermochte diese Demonstration in der hausgemachten BRD-Friedenspolitik nichts Begrüßenswertes zu entdecken: „DEUTSCHE FRIEDENSPOLlTiK: HETZT GEN OSTEN, PLANT DEN KRIEG!“ Und im Unterschied zu manchen kritischen Stimmen bezüglich des Bonner Hochrüstungskurses wollte sie auch die verantwortlichen Macher aus dem Kanzler- und Auswärtigen Amt nicht mit einer billigen Phrase entschuldigen, sie könnten leider nichts anderes, als Reagan gegen ihren ausdrücklichen Willen beschlossen hat. Es steht schlimmer: „WAS HITLER NICHT GESCHAFFT, MACHT DER SCHMIDT MIT NATO-KRAFT!“ [gegenstandpunkt.com]

Schon interessant das heute zu lesen, wenn man weiß wie sich heute der GSP über die dummen Leute aufregt, die gegen imperialistische Kriege auf die Straße gehen.
Wie sah eine damalige MG-Demo aus, fragt sich der geschichtlich Interessierte?

„Die ‚Roten‘ waren vertreten durch die „Marxistische Gruppe Dortmund“, etwas mehr als 5000 Anhänger des revolutionären Kommunismus aus mehreren deutschen Universitätsstädten: Ordnung und Disziplin, fest eingeplante Schweigeminuten, korrekte 6er Reihen von suggestiver Wirkung unter roten Transparenten, die der Größe nach abgestuft von den Kadern getragen wurden. Die kleine Armee aus „professionellen Proletariern“ skandierte Parolen mit handfester Kritik.“ [Le Figaro (Paris)]

Linke Kleinstgruppen (3,3): Die Marxistische Gruppe

Was hat die Marxistische Gruppe eigentlich zur aktuellen Entwicklung in Venezuela zu sagen? Auf dem Weg zu einem gescheiten Kommunismus oder alles Käse? Letzteres natürlich:

Ja sicher, die Marxistische Gruppe gibts nicht mehr. Gerüchte besagen aber, dass die Zeitschrift GegenStandpunkt in irgendeinem engeren Verhältnis zur alten MG steht. Deshalb hab ich doch mal einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis der aktuellste Ausgabe des „dicken GegenStandpunktes“ geworfen. In der Ausgabe die morgen (am 23. März. 07) erscheint wird es auch einen Artikel zu der aktuellen Entwicklung in Lateinamerika speziell in Venezuela geben:


Linksruck‘ in Lateinamerika:
Venezuelas Aufstand im Hinterhof der USA

1. Die Kritik am unerträglichen Zustand der Nation
2. Der praktische Kampf um eine ‚nationale Erneuerung‘ im Dienst am Volk
3. Die erbitterten Feinde und die neuen Stützen des alternativen nationalen Wegs
4. Der innere Machtkampf um die ‚nationale Erneuerung‘
5. Der außenpolitische Kampf um die ‚zweite Befreiung Lateinamerikas‘

PS. zum schlechten und zum guten Ruf eines antiimperialistischen Abenteuers

Wie nicht anders zu erwarten steht der GegenStandpunkt dem propagierten Weg zum „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ deutlich kritischer gegenüber, als manche anderen Linken, was ja erstmal nichts Schlechtes heißen muss. Ohne den Artikel gelesen zu haben, hier jetzt schon mal exklusiv eine Zusammenfassung (ja, beim GegenStandpunkt geht das):

Die Prozesse in dem lateinamerikanischen Land werden von den MGlern vor allem aus dem Blickwinkel einer von den Verantwortlichen angestrebten „Nationalen Erneuerung“ gesehen. „Der unerträgliche Zustand der Nation“ wird von einem gewieften Politikern erkannt, der sich zur Wahl stellt und „dem Volk“ Besserung verspricht. Die Konkurrenz um die politische Führung will das nicht akzeptieren, schwebt ihr doch ein „alternativer nationaler Weg“ vor. Nachdem die innenpolitische Schlacht vorerst entschieden ist, macht sich das politische Führungspersonal an den außenpolitischen Kampf um die Interessen der Nation in Lateinamerika durchzusetzen. Das Ganze wird noch ausgeschmückt durch 32x „Argument“, 8x „Gegenstandpunkt“, 9x „Mittel“, 4x „Zweck“ usw. [näheres siehe hier). Worüber garantiert nix im Artikel stehen wird: Die vielfältige Bewegung „von unten“, der schrittweise Aufbau von Kooperativen und arbeiterkontrollierten Betrieben, Experimente mit alternativen Distributionswegen von Gütern usw..

Ich bin der Meinung, es wäre viel interessanter, eine konkrete Kritik an den Unzulänglichkeiten und Schwächen dieser (zumindest auf den ersten Blick) fortschrittlichen „Experimente“ zu üben, als immer wieder das Selbe zu erzählen was über jeden Staat erzählt wird (aber wer „Der Faschismus und seine demokratische Bewältigung“ gelesen hat, weiß ja ohnehin, das es selbst zwischen der Verfasstheit des NS und der BRD keine nennenswerte Unterschiede gibt). Aber das würde dann ja eine konkrete Beschäftigung mit den tatsächlichen Ereignissen in Venezuela bedürfen und das wäre wohl (zumindest von der MG) zu viel verlangt.

Linke Kleinstgruppen (3,2): Die Marxistische Gruppe

Heute: Antideutsche Kritik an der Marxistischen Gruppe. Als Beipiel soll hier ein Flugblatt einer Marburger „Antifagruppe“ (?) an der dortigen Sektion des „Gegenstandpunktes“ dienen.

Linke Gruppen kritisieren sich gerne und häufig. Natürlich auch im malerischen Universitätsstädtchen Marburg. Dort gibt es unter anderem ein Häufchen das sich „Autonom Antifaschistische Aktion“ (aae) Marburg nennt, sich selbst als „antideutsch“ bezeichnet und Flugblätter gegen alles mögliche schreibt. Auch gegen den GegenStandpunkt Marburg. Ein Anti-MG-Flugblatt war übertitelt mit: „The very, very, very last call for course correction
Warum der Gegenstandpunkt nichts anderes als eine deutsche Kameradschaft ist.
“ Darin werden einige Argumente gegen „die MG“ angeführt, die als typisch für so genannte antideutsche Kritik an derselben gelten kann. Die zehn interessantesten will ich hier mal zusammenfassen (bzw. Sinngemäß wiedergeben):

1. Die MGler sind RentnerInnen die eifrig lauter deutsche „Argumente“ gegen den Kapitalismus
sammeln, d.h. eifrig gegen Israel und die USA hetzen.

2. Die MG muss den Juden zwanghaft unterstellen, dass sie Nazis sind um ihrer deutschen
Identität weiter fröhnen zu können.

3. MGler vertreten eine wahnhafte Meinung von der Realität.

4. Die MG ist eine leicht verstaubte Avantgarde.

5. Die MGler sind VolkskundlerInnen, die einen sekundären Antisemitismus ausleben.

6. Die MGler sind VolksgenossInnen, die behaupten das „Weltjudentum“ habe sämtliche
Regierungen fest im Griff.

7. Die MG hat kein Verständnis für das Eintreten gegen Antisemitische Hetze.

8. MGler legen das Kapital zur Seite, um die „Protokolle der Weisen von Zion“ zu lesen.

9. Die MG betreibt antisemitische Propaganda.

10. Die MG druckt immer wieder den selben Quatsch auf Papier.

Tiefgründige Thesen von ein paar eifrigen Marburger Studierenden, die heftig linksradikal unterwegs sind. Ganz nach dem Motto: Antisemit ist auch, wer lieber bei Nordsee als bei McDonalds speist. Wobei, Punkt 10 ist doch echt mal ein Argument, oder?

Linke Kleinstgruppen (3,1): Die Marxistische Gruppe

Mythenumrankt und Sagenumwoben, doch jeder hat schon mal von ihr gehört: Die Marxistische Gruppe (MG). Einer meiner heimlichen Favoriten unter den linken Gruppen in der BRD. Vor allem auch, weil sie einerseits so furchtbar klandestin agiert und anderseits immer so krass direkt durch die Mitte marschiert. Kommt wohl immer ganz drauf an, welche Seite des Gegenstandes „MG“ man betrachtet. Um dies ausgiebig tun zu können, will ich diese Rubrik auf mehrere Ausgaben auslegen, bis mir nix mehr neues einfällt. Heute beginne ich mal mit einer Gerüchtesammlung rund um den Gegenstand „MG“ (fühlt euch frei Ergänzungen beizusteuern)

Gerüchte über die MG:

- Die MG hatte mal über 10.000 Mitglieder (!)
- MGler haben alle das Kapital gelesen
- Die MG existiert nach ihrer offiziellen Auflösung im Untergrund weiter
- Alle Mitgleider der MG sind Zyniker
- MGler mögen Antideutsche nicht
- MGler finden Unis doof aber studieren trotzdem
- Die MG ist eine Sekte wie Scientology
- Es gibt auch MG-Frauen
- MG-Frauen sind nicht zwangsläufig Antifeministinnen
- MGler finden Antifaschismus doof
- MGler erkennt man nach dem ersten Satz
- MGler tragen niemals Basecaps
- MGler haben den Humor alter Männer
- MGler dürfen nur mit MGlern zusammen wohnen
- Alle MGler haben einen bayrischen Akzent
- Das häufigst benutzte Wort eines MGlers ist: Argument
- MGler finden Anarchisten niedlich
- Man kann nicht alle MGler über einen Kamm scheren
- MGler bleiben immer sachlich
- MGler sind linker als der Staat erlaubt
- MGler sind Klugscheißer
- MGler sind besser als ihr Ruf
- Es gibt durchaus gutaussehende MGler (und auch MG-Frauen)
- MGler trinken Unmengen an Bier
- Niemand hat Marx verstanden außer die MG
- Die MG will einen gescheiten Kommunismus
- Mgler finden, das Kapital ist auch nur ein Buch
- MGler sind keinesfalls „Zecken“
- MGler können an Israel nichts besonderes finden
- MGler haben einen beschränkten Wortschatz
- Der Verfassungschutz hatte die MG unterwandert, deshalb die Auflösung
- MGler gehen niemals auf Demos
- Gegenstandpunkt ist keine Nachfolgeorganisation der MG sondern nur eine Zeitschrift
- Heute lesen MGler keinen Hegel mehr
- MGler machen alle mächtig Karriere
- MGler werden geschult

Linke Kleinstgruppen (2) – B.A.N.G.

Heute möchte ich eine weitere illustre linke Politgruppe vorstellen: B.A.N.G.

Um was es geht:

B.A.N.G. , eigentlich „Berliner Anti-Nato-Gruppe“ (hab ich aber noch nie jemanden voll aussprechen hören) ist, wie der Name schon verrät, in Berlin Zuhause. Über die Gruppengröße, Aktionen etc. schweigt sich die Gruppe auf ihrer „Homepage“ aus und öffentlich spekulieren will ich darüber natürlich auch nicht. Doch wer B.A.N.G. schon einmal erlebt hat weiß, warum ich sie hier unbedingt vorstellen möchte. Eine regelmäßige Publikation gibt die Gruppe nicht heraus, aber an ihrem theoretischen Anspruch darf man sie auch nicht messen. B.A.N.G. scheint viel eher aktionistisch orientiert und das muss ja nicht unbedingt schlecht sein. Nur klugscheißern bringt ja auch keinen Kommunismus.

Was mir gut gefällt:

Für jüngere Linke wie mich ist die Gruppe B.A.N.G. immens wichtig. So haben also „die Autonomen“ in den 80er Jahren ausgesehen (wurde mir auf jeden Fall versichert)?! Armeestiefel, Wursthaare und co., so richtig Geschichtsunterricht zum Anfassen. Durch B.A.N.G. wird so manche Demo zu dem was die bürgerlichen Spießer so richtig ärgert: langhaarige Chaoten die ungewaschen aussehen, in Schwarz gekleidet sind und mit Sicherheit wahrscheinlich arbeitslos sind , die revolutionäre Parolen brüllen und auf ihre Transparente gemalt haben. Das ist noch „linker Lifestyle“ der sich vom „Mainstream“ abhebt, nicht so wie die normierten Marken-Antifas. Wenn das mal nicht ein Argument ist.

Was mir weniger gut gefällt:

Mitglieder von B.A.N.G. trinken Bier bei Politaktionen (hab ich gesehen, Leugnen zwecklos). Das ist natürlich doof, weil es den klaren Blick trübt. Ansonsten würde mancher wahrscheinlich alles was oben bei den Argumenten pro B.A.N.G. steht gegen sie anbringen. Doch ich find sie halt voll retro und deswegen gut und hoffe, das sie dieses Jahr zur „Walpurgisnacht“ wieder was auf die Beine stellen.