Archiv der Kategorie 'Antifaschismus'

Springer Presse zürnt: Kein Denkmal für Elser

In den letzten Tagen wurde in Berlin quer durch alle Parteien der Ruf nach einem Denkmal für Georg Elser an prominenter Stelle lauter. Eigentlich verwunderlich, denn die Figur des ehemalige rote Frontkämpfer und proletarische Antifaschist Elser erscheint nur bedingt anschlussfähig für bürgerliches Gedenken. Georg Elser, dass steht fest, hatte was gegen Krieg und Faschismus ganz im Gegensatz zu anderen berühmten Hitler-Attentätern.
Da verwundert es kaum, dass das Mutterblatt der Berliner Jungle-World die Dinge etwas gerade rücken will:

Kein Denkmal für Elser
Berlin soll ein „Denkzeichen“ für den Hitler-Attentäter Georg Elser bekommen. Die Initiative dazu geht unter anderem von dem Schriftsteller Rolf Hochhuth aus, offizielle Stellen unterstützen das Vorhaben. Diese Idee ist gewiss gut gemeint. Aber gut gemeint ist eben nicht unbedingt gleich gut.
[…]
Ein weiteres Denkmal für Georg Elser in der Hauptstadt ist da kaum nötig. So lobenswert das Engagement auch grundsätzlich ist, das Hochhuth, Senat und Abgeordnetenhaus von Berlin hier an den Tag legen: Für andere Hitler-Gegner wäre derlei Einsatz dringlicher. Der Kreis um Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen, die „stillen Helfer“ verfolgter Juden oder auch Generaloberst Kurt von Hammerstein-Equord zum Beispiel sind noch nicht annähernd so gewürdigt, wie es ihrer Rolle im Widerstand gegen Hitler entspricht. [Die Welt (Erwachsenenausgabe)]

Der Ruf danach den Nazi-General Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord mit einem Denkmal zu ehren, sagt dann auch schon alles aus über das Geschichtsverständnis des Welt-Schreiberlings.
Es bleibt nur zu sagen, dass es eigentlich keine Ehre für Georg Elser wäre an zentraler Stelle in der Hauptstadt der „Berliner Republik“ geehrt zu werden.

Gedenken an die Antifaschistin Olga Benario in Berlin-Neukölln

Antifaschistische Kundgebung im Neuköllner Nord-Kiez:

Einweihung des Stolpersteins für OLGA BENARIO anlässlich ihres 100. Geburtstages

am 12. Februar 2008 um 17 Uhr vor dem Haus Innstraße 24 (Ecke Donaustr.) in Berlin-Neukölln

Olga Benario (12.2.1908 – April 1942) engagierte sich ab ihrem 15. Lebensjahr im
Kommunistischen Jugendverband. Mit 17 Jahren verließ sie 1925 ihre Heimatstadt München und ging nach Berlin. 1926 wurde sie zusammen mit ihrem Freund Otto Braun in ihrer Wohnung in der Innstraße 24 verhaftet. Sie wurden der Vorbereitung zum Hochverrat
beschuldigt. 1928 befreite Olga Benario in einer spektakulären Aktion mit einigen Genossen Otto Braun aus der U-Haftanstalt Moabit. Sie flohen beide nach Moskau. Im Auftrag der
Kommunistischen Internationale begleitete Olga Benario 1934 Luiz Carlos Prestes in dessen Heimatland Brasilien. Nach der gescheiterten Revolution wurden die beide 1936 verhaftet. Hochschwanger wurde Olga Benario von der brasilianischen Regierung an das faschistische
Deutschland ausgeliefert. Im Berliner Frauengefängnis Barnimstraße brachte sie ihre
Tochter Anita zur Welt. Durch eine internationale Kampagne gelang es der brasilianischen
Großmutter, ihre Enkelin 1938 frei zu bekommen. Nach jahrelanger Haft in den
Konzentrationslagern Lichtenburg und Ravensbrück wurde Olga Benario im April 1942 in der
Gaskammer der Euthanasie-Mordanstalt Bernburg umgebracht. Zur Erinnerung an Olga
Benario verlegte der Bildhauer Gunter Demnik vor dem Haus Innstraße 24 am
10. Dezember 2007 einen Stolperstein.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Olga Benario wollen wir am 12. Februar
2008 um 17.00 Uhr gemeinsam mit Olgas Tochter Anita Prestes, die aus
Brasilien anreist, den Stolperstein mit einer Kundgebung einweihen.

Es sprechen:
Anita Prestes (Tochter von Olga Benario, Rio de Janeiro), Hans Coppi (Berliner
VVN-BdA) und Vertreterinnen der Galerie Olga Benario.

Termin: 12. Februar 2008, 17:00 Uhr, anschließend Gespräch mit Anita Prestes in
der Galerie OLGA BENARIO, Richardstr. 104, Berlin-Neukölln

Mehr Infos gibt es bei der Galerie Olga Benario.

Gruselig: Jüdisches Mädchen interviewed Neonazi

Irgendwie Gruselig dieser Video-clip (und in der BRD in dieser Form sicher unvorstellbar):

A young Jewish girl named Julian asks a white separatist and skinhead about his beliefs and whether he is a Nazi. He responds by saying yes and that he believes in white power.This clip was taken from the ABC News special Prejudice:Answering Children’s Questions, and hosted by the late anchorman and news presenter Peter Jennings.

Silvio Meier Video-Interview von 1992 aufgetaucht

Gefunden beim Umbruch Bildarchiv:

Am 21. November 2007 jährt sich zum fünfzehnten Mal der Todestag von Silvio Meier. Silvio lebte als Hausbesetzer in Friedrichshain und wurde 1992 von Neonazis erstochen. Im U-Bahnhof Samariterstraße in Berlin-Friedrichshain trafen er und zwei Freunde auf eine Gruppe von rechtsextremen Jugendlichen. Einer von ihnen trug einen „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“-Aufnäher. Als Silvio und seine Freunde ihn zur Rede stellten und aufforderten, den Aufnäher abzunehmen, zogen die Nazis Messer und stachen auf die Antifas ein. Der 27-jährige Antifaschist wurde durch mehrere Stiche getötet, zwei seiner Begleiter schwer verletzt. Seitdem findet in Friedrichshain jedes Jahr eine antifaschistische Demonstration zur Erinnerung an Silvio statt. Die diesjährige Demo beginnt am Sa, den 24.11.2007 um 16 Uhr am U-Bhf. Samariterstraße mit einer Gedenkkundgebung.

Von der Familie Silvios erhielten wir jetzt 15 Jahre altes Videomaterial, in dem Silvio im Sommer 1992 einem dänischen Filmteam ein Interview gab. Ein Teil der Aufnahmen war nicht mehr zu retten, dennoch fanden wir es schön, seine Stimme zu hören und ihn zu sehen. Es ist nur ein kleiner Teil aus Silvios Leben, gerne hätten wir mehr erfahren…

Dem gibts nichts hinzuzufügen. Außer: Morgen zur Demo gehen!

Der GegenStandpunkt und die Antifa

„Neues“ vom GegenStandpunkt: Antifaschisten sind automatisch Demokraten-Versteher! Wird zumindest im Beitrag „Vom Fehler einer linken Orientierung Namens ANTIFA“ (findet ihr unter „audio“/August ’07) bei radioX behauptet.

Wer antifaschistisches Engagement zeigt macht sich laut GegenStandpunkt also gleichzeitig für eine andere Herrschaftsform stark: Die Demokratie. Zwar wird betont den Faschismus selbstverständlich auch „aus guten Gründen“ abzulehnen und Faschisten gar zu „hassen“. Dies sei aber selbstverständlich, ganz anders als bei anderen ANTIFaschisten (also Menschen die den Faschismus ablehnen) nicht als Indiz dafür zu werten, dass man Fan von anderen Herrschaftsformen sei. Wenn jedoch Antifaschisten (die keine Symphatisanten des GegenStandpunktes sind) das Wort gegen NPD und co. erheben seien diese automatisch Verteidiger von bürgerlichem Staat und „dem ganzen Zeugs“. Seltsame Logik und kein gutes „Argument“ finde ich…
Ich habe mir den Sendungs-Mitschnitt zugegebenermaßen nicht bis zu Ende angehört, bin aber sicher die Argumente die noch gefolgt wären von anderen Vorträgen, Texten etc. zu kennen. Was vertritt also der Gegenstandpunkt noch gegenüber dem Antifaschismus? Ein weiteres Argument geht so: Antifa ist Zeitverschwendung, weil a) die Nazis (anders als in der Weimaer-Zeit) nicht kurz vor der Machtergreifung stünden und weil b) der VS diese Aufgabe viel wirksamer erfüllen könne. Dieses Argument lehrt uns zweierlei: Die Redaktion des GegenStandpunkts kann a) in die Zukunft schauen und insbesondere die Entwicklung und Stärke der Neonazistrukturen Jahre im Vorraus überblicken (hätten es sie nur doch schon 1923 gegeben, der Hitler wäre uns wohl erspart geblieben). Und b) Totgeprügelte Ausländer und Linke, Angriffe auf linke Strukturen etc. sind als Kollateralschäden zu begreifen. Wens zu sehr stört, der kann ja wegziehen.

Ganz nebenbei, dass „Argument“ wenn man gegen das eine (in diesem Fall „Faschismus“) sei, sei man automatisch auch für das andere, bestehende (in diesem Fall „demokratische Herrschaft“) ist das älteste und meist-strapazierte „Argument“ welches aus dieser Ecke gebetsmühlenartig vorgebracht wird. Es wird allerdings auch durch ständige Wiederholung nicht richtiger.

Elser bleibt auf jeden Fall ANTIFA!