Archiv der Kategorie 'Kiez'

Neukölln hör auf zu rocken und gib uns lecker Schawarma!

Neukölln rockt! Das wissen „Eingeweite“, also alle Studis die das Wort „Gentrification“ fehlerfrei schreiben können, nicht erst seit gestern. So hat auch inzwischen jede Berliner Lokalzeitung, Stadtmagazin, Umsonstzeitung etc. einen Artikel über den kommenden In-Bezirk Berlins geschrieben.
Die Sache auf den Punkt bringt allerdings viel eher die Einschätzung des reutekiez-blog-Schreibers Namens Philip:

ich finde, jetzt sind genügend kneipen und galerien da. ihr könnt jetzt aufhören, neue aufzumachen.
innerhalb eines jahres sind in laufreichweite von fünf minuten genug nette orte entstanden, an denen ich ein bier trinken kann.
so viel bier ist doch auch gar nicht gesund.
also: danke für alles, aber es reicht jetzt aus. (die leute in der weserstraße 208 dürfen noch fertig machen.) ab sofort eröffnen bitte nur noch gute schawarma-buden und spätkäufe. [reuterkiez-blog]

Auf demselben blog findet sich übrigens ein interessanter Kommentar von einem gutherzigen Investor. Der Mann ist dann wohl keine Heuschrecke, sondern ein Marienkäfer, oder?

Gedenken an die Antifaschistin Olga Benario in Berlin-Neukölln

Antifaschistische Kundgebung im Neuköllner Nord-Kiez:

Einweihung des Stolpersteins für OLGA BENARIO anlässlich ihres 100. Geburtstages

am 12. Februar 2008 um 17 Uhr vor dem Haus Innstraße 24 (Ecke Donaustr.) in Berlin-Neukölln

Olga Benario (12.2.1908 – April 1942) engagierte sich ab ihrem 15. Lebensjahr im
Kommunistischen Jugendverband. Mit 17 Jahren verließ sie 1925 ihre Heimatstadt München und ging nach Berlin. 1926 wurde sie zusammen mit ihrem Freund Otto Braun in ihrer Wohnung in der Innstraße 24 verhaftet. Sie wurden der Vorbereitung zum Hochverrat
beschuldigt. 1928 befreite Olga Benario in einer spektakulären Aktion mit einigen Genossen Otto Braun aus der U-Haftanstalt Moabit. Sie flohen beide nach Moskau. Im Auftrag der
Kommunistischen Internationale begleitete Olga Benario 1934 Luiz Carlos Prestes in dessen Heimatland Brasilien. Nach der gescheiterten Revolution wurden die beide 1936 verhaftet. Hochschwanger wurde Olga Benario von der brasilianischen Regierung an das faschistische
Deutschland ausgeliefert. Im Berliner Frauengefängnis Barnimstraße brachte sie ihre
Tochter Anita zur Welt. Durch eine internationale Kampagne gelang es der brasilianischen
Großmutter, ihre Enkelin 1938 frei zu bekommen. Nach jahrelanger Haft in den
Konzentrationslagern Lichtenburg und Ravensbrück wurde Olga Benario im April 1942 in der
Gaskammer der Euthanasie-Mordanstalt Bernburg umgebracht. Zur Erinnerung an Olga
Benario verlegte der Bildhauer Gunter Demnik vor dem Haus Innstraße 24 am
10. Dezember 2007 einen Stolperstein.

Anlässlich des 100. Geburtstages von Olga Benario wollen wir am 12. Februar
2008 um 17.00 Uhr gemeinsam mit Olgas Tochter Anita Prestes, die aus
Brasilien anreist, den Stolperstein mit einer Kundgebung einweihen.

Es sprechen:
Anita Prestes (Tochter von Olga Benario, Rio de Janeiro), Hans Coppi (Berliner
VVN-BdA) und Vertreterinnen der Galerie Olga Benario.

Termin: 12. Februar 2008, 17:00 Uhr, anschließend Gespräch mit Anita Prestes in
der Galerie OLGA BENARIO, Richardstr. 104, Berlin-Neukölln

Mehr Infos gibt es bei der Galerie Olga Benario.

Gentrifizierung im Wartestand in Berlin Neukölln?

Wer nur ein Jahr weg war aus Berlin-Neukölln und wieder zurück in den „Reuter-Kiez“ gezogen ist, der wird jetzt eine Vorstellung davon haben, wie schnell sich eine schleichende „Gentrifizierung“ eines Stadtteils bemerkbar machen kann. Denn in Neukölns Weserstraße (die Straße an die auch die berühmt berüchtigte Rütli-Schule angrenzt) eröffneten in diesem Zeitraum fast ein Dutzend Kneipen, die sie explizit auf ein Künstler-Studi-Klientel eingerichtet sind. Auch die ersten Kunst-Mode-Lädchen gibt es inzwischen und die ersten klassischen Eckkneipen schließen und asiatische Restaurants beziehen schnurstracks die Ladenlokale. Mit der „Kneipen-Kultur“ verändert sich im Moment der Mietspiegel und zwar mit ähnlichem Nachdruck.
Im aktuellen „Mieter-Echo“ der Berliner Mieter Gemeinschaft findet sich ein ausführlicher Artikel des Stadt-Soziologen André Holm mit dem Titel „Endstation Neukölln oder Neuer Trendkiez?“zu der Thematik. Sein Fazit:

Zusammenfassend kann die Situation in Nord-Neukölln vielleicht als eine Gentrifizierung im Wartestand bezeichnet werden. Sowohl ökonomisch, als auch sozial und hinsichtlich des Nachbarschaftscharakters können Anzeichen einer Aufwertung beobachtet werden.

Ob sich eine tatsächliche Gentrifizierung mit ihren Verdrängungseffekten durchsetzen wird, ist vor allem davon abhängig, ob es in Zukunft gelingt, die sozialen und kulturellen Veränderungen in der Nachbarschaft von der wohnungswirtschaftlich gewünschten Aufwer-tung zu entkoppeln. Denn letztlich entscheiden die Mietpreise für Wohnungen und Gewerberäume, ob sich die bisherigen Bewohnergruppen im Gebiet werden halten können.

Noch ein paar interessante links zum Kiez:
Kreuzkoelln (blog zum“Reuter-Kiez“)
SilverFuture (mehr als eine gute neue Kneipe im Kiez)
Suspekt (eine (hoffentlich) gute neue Kneipe im Kiez, die es allerdings noch gar nicht gibt)
Kartographie Reuterkiez (Interaktiver Kiez-Plan)