Archiv der Kategorie 'So geht antideutsche Kritik'

Horst Mahler, die Antideutschen und die RAF

Dann geb ich also doch auch noch meinen Senf zum Mahler-Friedmann-Interview dazu (Auch wenn an anderer Stelle zu Recht darauf hingewiesen wurde, dass man sich nicht zu jedem gehypten Scheiss zu Wort melden muss). Ich tu es trotzdem, denn: Bei dem „Senf“ der auf einigen einschlägigen blogs zum Thema abgegeben wurden, ist wieder mal deutlich geworden wie sie funktioniert: Die antideutsche Kritik.

Was ist passiert? Ein Nazis gibt ein Interview und redet dabei Nazi-Scheiss. Er fabuliert von Juden als „Fremdrasse“ und Hitler, leugnet den Holocaust und was weiß ich nicht alles. Offensichtlich lauter Lügen und falsche Aussagen aus dem Mund eines überzeugten Faschisten. Wer würde einem solchen Mann auch nur ein Wort glauben? Welcher Linke würde auch nur einen Pfifferling auf das geben, was ein Nazis zu sagen hat? Einige antideutsche Blogger tun genau das! Sie picken sich einfach die „Rosinen“ aus dem Interview raus, die ihre altbekannten Thesen zu untermauern scheinen. Ein Beispiel:

Denn der Erkenntnisgewinn aus der Unterhaltung tendiert gegen null. Von Interesse – wenn auch nicht wirklich neu – sind allenfalls Mahlers Ausführungen zu den Kontinuitäten in seinem biografischen Werdegang vom führenden RAF-Mitglied zu einem der bekanntesten deutschen Rechtsradikalen und der diesbezüglichen Rolle des Antisemitismus.
[ [Lizas Welt]

Was ist der Sinn der Übung? Den angeblichen Beweis vorzulegen, die RAF als solche sei immer schon „antisemitisch“ gewesen. Um das seltsame Bedürfnis nach Denunziation zu befriedigen wird ausgerechnet ein wirrer Nazi als Kronzeuge herangezogen. Interessant zu wissen wäre jetzt natürlich, ob der blog-Autor auch den ganzen anderen Mist glaubt, der in dem Interview vertreten wurde!?!

Antideutsche, der FC Bayern und die fabelhafte Welt des Fußballs

Lysis weisst pünktlich zum Start der neuen Bundesliga-Saison auf ein interessantes Phänomen hin: Antideutsche und ihr eigenartiger Blick auf die Welt des Fußballs.

So gibt es unter den (anti)deutschen Schreiberlingen sogar einige selbsterklärte Spezialisten für das Spannungsfeld zwischen Politik, Fußball im allgemeinen und dem FCB im besonderen. Ohne mir den ganzen Quark wirklich zu gemüte geführt zu haben, traue ich es mir doch zu, einige steile Thesen zu formulieren, die Feuerherdt und co. sicher unterstreichen würden:

1. Kritik am FC Bayern ist strukturell antisemitisch

2. Ein „Arbeiterclub“ hat einen antisemitischen, völkischen Wesenskern

3. Zwischen dem gemeinen St. Pauli-Anhänger, den Toten Hosen und dem Durchschnitts-
NPD-Wähler herrscht eine geheimnisvolle Wesensverwandtschaft

4. Das Schalke-Fan-Sein an sich, ist mindestens antiamerikanisch

5. Der deutsche Begriff: „Spielführer“ sagt ja wohl schon alles

6. „FC Hollywood“ = Westküste = Ostküste = Antisemitismus

7. Arm = Neid = sozial stigmatisiert = Ressentiment = Schalke = Jihad

8. Adorno wäre natürlich Bayern-Fan gewesen (wenn er sich für Fußball interessiert hätte)

9. Ivo Bozics ist … Schalke Fan!

10. Uli Hoeness Wurstfabrik ist der wahre Hort von Freiheit, Vernunft und Aufklärung in
Deutschland

Aber vielleicht ist Fußball ja auch insgesamt antisemitisch, weil er in den USA ja bekanntlich nicht sonderlich beliebt ist und israelische Clubs auf dem internationalen Parkett in der Regel nicht so gut abschneiden. Alex Feuerherdt, übernehmen sie!

(Anti)deutsche, schaut mehr Tour de France!

Schande? Skandal? Das Ende des deutschen Radsports? Die dopen ja immer noch! Alle sind entsetzt. Wirklich alle? Nein ein paar wackere (Anti)deutsche sagen sich: Jetzt erst recht, wir lassen es uns doch von so ein paar Gutmenschen nicht vermiesen, dass tollste Radrennen der Welt in der Glotze zu kucken. Denn (wir hattens längst vermutet): Wer nicht die Tour de France kuckt, ist Antisemit (oder so ähnlich)!

Interessant finde ich jedoch den Artikel “Quäl dich, du Sau!” von Thorsten Fuchshuber in der aktuellen konkret, in dem dieser herausstellt, wie sehr die Dopinghysterie von Deutscher Ideologie mit antisemitischen Zügen geprägt ist. Ich zitiere:
“..Der Antisemit stellt sich das Kapitalverhältnis als ominöse Einrichtung zwecks betrügerischer Vermehrung des Geldes vor, wobei er als Akteur den jüdischen Wucherer halluziniert, um diesem “raffenden” Kapitalisten den in Schweiße seines Angesichts “schaffenden” Kapitalisten entgegenzustellen. Ähnlich phantasiert man in der aktuellen Debatte über die betrügerische Vermehrung der Kräfte des Sportlers durch Dopingmittel und die dadurch ausgelösten biochemischen Prozesse. Mit Hilfe dieser Substanzen würden “all die fairen Fahrer, die nie gespritzt, sondern nur hart trainiert haben…von Gaunern um die Früchte ihrer Arbeit gebracht” (Kölnische Rundschau). Daß es so oder so der Körper des Sportlers bleibt, der rücksichtslos ausgebeutet wird, ist egal. Da der politische Diskurs unter Beobachtung steht, flüchtet sich das antisemitische Ressentiment in die Alltagskultur. Dort findet es sein Residuum in der Sprache, wie Adorno sagte, und harrt der des Jargons kundigen Empfänger. Der Deutsche Olympische Sportbund forderte von seinen Mitgliedern derweil “die sogenannte Endkampfchance” (FAZ)- was bedeutet, daß ein deutscher Sportler auch ohne Dopingmittel gegen die gedopte Konkurrenz bestehen muß. Das “weltumspannende Lügenkartell des Radsports” (Stuttgarter Nachrichten) steht, so scheint´s, kurz vor Berlin. Und dann muß man noch auf den “Frontfahrer Jan Ullrich” (Nürnberger Nachrichten) verzichten. Aber so ist das eben, wenn “der Mammon das menschliche Handeln” (Westfälische Nachrichten) regiert.” (Thorsten Fuchshuber/konkret 7/07) [gefunden hier]

Ein tagespolitisch-aktuelles Thema, ein Antisemitismusvorwurf und ein Adorno-Zitat… und fertig ist ist der (anti)deutsche Artikel. So einfach geht antideutsche Kritik.

Clash of the antideutsche Projektionsflächen – Darfur vs. Israel

„Antideutsche“, Postantideutsche, selbst erklärte Neocons und Neu-Liberale haben alle etwas gemeinsam, sie teilen verschiedene Projektionsflächen mit denen sie uns die Welt erklären wollen. Diese Projektionsflächen nehmen häufig die Form von einigen Lieblings-Nationalstaaten an. Das Weltgeschehen (mindestens) der letzten 60 Jahre wird dann durch die Zerrbilder dieser Staatengebilde erklärt. Zwei Favouriten: Israel („der Klassiker“) und neu: die sudanesische Region Darfur („der Schocker“).

Heute bin ich auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung gestoßen, der die beiden Projektionsflächen in unversöhnlicher Weise einander gegenüberstellt. Auf der einen Seite das „gelobte Land“, der israelische Staat und auf der anderen Seite die Flüchtlinge aus Darfur, die von der israelischen Regierung in schäbiger Weise rassistisch sonderbehandelt werden. Eine Sonderbehandlung allerdings, die auch hierzulande und in den meisten anderen Nationalstaaten der „westlichen Welt“ Standard ist:

Flüchtlinge aus Afrikas Krisenregionen glauben in Israel besonderes Verständnis für ihre Situation zu finden – sie erhalten aber kaum Hilfe

Abdullah al-Bakr ist verzweifelt: „Man hat uns versprochen, dass wir in Israel sicher sind. Aber jetzt will man uns abschieben. Wir dachten, gerade das jüdische Volk versteht uns.“ Der Familienvater aus Sudans Krisenregion Darfur ist einer von Hunderten sudanesischen Flüchtlingen, die seit Wochen in der Wüstenstadt Beerschewa auf Straßen, in Parks und in leeren Schulen campieren. Die Stadtverwaltung beklagt, sie habe kein Geld, um sich um die Flüchtlinge zu kümmern und fordert von der Regierung eine Lösung. Weil Jerusalem schwieg, demonstrierten Abdullah al-Bakr und etwa 60 Flüchtlinge am Sonntag – unterstützt von israelischen Menschenrechtsorganisationen – vor dem Parlament in Jerusalem. Doch der kollektive Aufschrei nutzte nichts. Die Sudanesen sollen, wie alle anderen 2400 in den vergangenen zwei Jahren gekommenen afrikanischen Flüchtlinge, schnell nach Ägypten abgeschoben werden – von woher sie eingereist sind.

Bis dahin arbeiten sie in Hotelküchen im Urlaubsort Eilat am Roten Meer, als Putzfrauen im Spa des Kibbuzes Ein Gedi, als Bewässerungshilfen auf den Karottenfeldern des Dorfes Cherev Laet. Eine Regierungssprecherin sagte am Montag, die meisten seien aus wirtschaftlichen Motiven nach Israel gekommen. Sobald ein Mechanismus für die Abschiebung nach Ägypten gefunden werde, werde damit begonnen. Kairo habe zugesagt, dass die Flüchtlinge in Ägypten bleiben könnten und nicht nach Sudan abgeschoben würden. Viele Flüchtlinge hatten aber angegeben, in Ägypten bereits misshandelt worden zu sein.
Regierungschef Ehud Olmert sagt, Israel könne es sich nicht leisten, zum Aufnahmeland Hunderttausender Afrikaner zu werden. Mark Regev vom Außenministerium sagte, dass Israel zwar großen Anteil nehme am Genozid in Darfur. Niemand werde in den Sudan abgeschoben. Israel habe aber nicht „die Kapazität“ für afrikanische Wirtschaftsflüchtlinge. Regev weist auch darauf hin, dass der muslimische Staat Sudan Israel als Feind betrachte. Die Flüchtlinge aus diesem Land stellten daher auch ein „großes Sicherheitsrisiko“ dar.

„Burger Krieg“ in Kreuzberg – Feldzug von Antisemiten?

Aus der Reihe: „So geht antideutsche Kritik“, Teil 1.

Der US-amerikanische Fast-Food-Riese Mc Donald’s will in Berlin-Kreuzberg erstmals ein „Restaurant“ eröffnen. Diese Ansinnen stößt auf erbitterten Widerstand in Teilen der Kreuzberger Bevölkerung. Die Lokalpresse spricht inzwischen schon vom drohenden „Burger-Krieg“ in K36.

Doch wie könnte es im streitbaren Kreuzberg anders sein: Auch die Kritiker des Fritten-Imperiums rufen ihrerseits Kritiker auf den Plan. Selbsterklärte „Antideutsche“ schütteln nur den Kopf auf Grund der „verkürzten Kapitalismuskritik“ die von Christian Ströbele und co. vorgebracht wird (auch wenn diese gar nicht den Anspruch erhebt eine zu sein). Ihr harscher Vorwurf an die Mac-Gegner folgt auf dem Fuß: Kritik am US-Burger-Gigant ist zwangsläufig antisemitisch!

Ich präsentiere hier vorab und exklusiv die 5 definitiven Gründe warum jegliche Kritik am Mac-Bau in Kreuzberg antisemitisch sein muss:

1. Mc Donalds’s ist ein amerikanisches Unternehmen. = Kritik an US-Amerikanern = Kritik an der Ostküste und das ist Antisemitismus!

2. In Kreuzberg wohnen viele Moslems. Viele in Kreuzberg kritisieren Mc Donalds’s. Viele die was kritisieren + Moslems das ist völkisch. Völkisch = Antisemitismus!

3. Mc Donald’s ist ein großes Unternehmen mit viel Geld. Viel Geld zu haben ist eine Eigenschaft, die Antisemiten den Juden zuschreiben. Kritik an Unternehmen mit viel Geld = Antisemitismus!

4. In Israel ist Mc Donald’s ziemlich beliebt. Mc Donald’s zu kritisieren hieße also auch Israel zu kritisieren. Kritik an Israel = Antisemitismus!

5. Wo gibts den bitteschön keinen mc Donald’s auf der Welt? Iran und Nordkorea!!! Woraus folgt: Kritik an Mc Donald’s ist zwangsläufig antisemitisch!